Grenzen sind etwas Abstraktes. Oft würde man sie gar nicht bemerken, wäre da nicht der Zollübergang. Manche Grenzen werden mit einem Federstrich am Reißbrett gezogen, manche werden von Flüssen oder Bergzügen gebildet, um manche wird jahrelang gekämpft. Obwohl sie im Prinzip nur künstliche Linien auf einer Karte sind, bestimmen sie das Schicksal von Millionen von Menschen. Sie sind Folge, aber auch Ursache von Konflikten. Manchmal genügt ein Blick in den Atlas, und sofort stechen einem Kuriosa ins Auge: Enklaven, Exklaven, schnurgerade oder verwinkelte Grenzen, geteilte Städte, gestrichelte Linien, die auf territoriale Streitigkeiten verweisen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.05.2016
Atlanten sind für Werner Hornung eine wunderbare Lektüre. Und da wir seiner Ansicht nach gerade an Smartphones und Navigationsgeräten kartografisch zu verkümmern drohen, empfiehlt er dringend das von David Signer herausgegebene Buch "Grenzen erzählen Geschichten". 16 Journalisten der NZZ erzählen darin geopolitische Stories von den Grenzen dieser Welt: zwischen Nord- und Südkorea, an der spanischen Exklave Ceuta oder zum indischen Siliguri-Korridor. Informativ und schön zugleich findet der Rezensent diese Sammlung.
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