Wachstum, das ist der Gott der Moderne noch im Angesicht ihres Untergangs: Entgegen prominenter Lesarten erkennt Giorgos Kallis in Thomas Robert Malthus mit seinem berühmt-berüchtigten "Bevölkerungsgesetz" von 1798 nicht einen Propheten der natürlichen Grenzen, sondern im Gegenteil einen Apostel des unbegrenzten Wollens. Indem Malthus die Unersättlichkeit zur Natur erklärt, verewigt er ironischerweise zugleich die Knappheit. In seiner unorthodoxen Parallellektüre der Ideengeschichte der politischen Ökonomie und des ökologischen Denkens kommt Kallis' anregende Studie deren geteilter Grundannahme auf die Spur: der Gleichsetzung von Begrenzung und Knappheit. Doch Grenzen sind nicht natürlich. Sie sind eine Wahl, die wir treffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2022
Rezensent Fred Luks fragt sich schon, ob Giorgos Kallis' Thesen und Vorschläge zu den Grenzen des Wachstums auch umsetzbar sind. Aber auch wenn es sich dabei um ein "Minderheitenprogramm" handelt, wie der Rezensent vermutet, scheint das Buch Luks lesenswert, nämlich als "dichte", gut zu lesende, provokative Reflexion über Post-Wachstum. Da darf der Autor sogar Malthus neu interpretieren und den ökologischen Fußabdruck als wissenschaftliche Konstruktion darstellen, um seine "Politik der Selbstbegrenzung" zu propagieren, findet Luks.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.12.2021
Rezensent Arno Orzessek geht nicht wirklich hoffnungsfroh hervor aus der Lektüre von Giorgos Kallis' Buch, das unter anderem bei Thomas Malthus nach den Ursachen der Akzeptanz von Armut und Ungleichheit im marktliberalen Hamsterrad sucht. Dagegen stellt der Autor den Wunsch nach weniger Besitz neben mehr Freiheit und Glück. Schöne Rechnung, denkt Orzessek, zumal der Autor inspirierend schreibt, wie er findet. Die Stärke des Essays aber verblasst, sobald der Rezensent die Augen hebt. Was sieht er: Millionen kleiner Hamsterräder.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021
Rezensent Jens-Christian Rabe liest mit Begeisterung diesen Essay über die Notwendigkeit von Grenzen. Autor Giorgos Kallis bezieht sich dabei als linker Ökologe ausgerechnet auf den inhumanen Bevölkerungsökonomen Thomas Robert Malthus. Rabe findet das interessant, weil Kallis von Malthus die Einsicht mitnehme, dass die Möglichkeiten des Menschen zum Wachstum begrenzt seien. Anders als Malthus jedoch möchte Kallis nicht Knappheit und Produktivität gesetzmäßig verknüpft sehen, sondern vielmehr die Verbindung sprengen: Denn man könne sich ja beschränken und trotzdem glücklich sein, referiert der Kritiker. Wie Kallis Probleme des klassischen Umweltschutzes neu liest, interessiert Rabe, der Kallis als undogmatisch, aufrichtig und offen für nicht ausgetretene Denkpfade preist.
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