Deepti Kapoor

Zeit der Schuld

Roman
Cover: Zeit der Schuld
Karl Blessing Verlag, München 2023
ISBN 9783896677075
Gebunden, 688 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Astrid Finke. Geboren in einem kleinen Dorf im nördlichen Indien wird Ajay als Kind seiner Familie entrissen und an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Von früh bis spät arbeitet er in der Landwirtschaft des Ehepaars, er lernt lesen und schreiben, lernt zu beobachten - und er lernt zu dienen.Als sein Dienstherr stirbt, findet Ajay Arbeit in einem Café - und dort macht er eine schicksalsweisende Bekanntschaft: Sunny Wadia, Abkömmling des einflussreichen Wadia-Clans, verbringt dort mit seinen Freunden das Wochenende. Ajay wird Sunnys rechte Hand und nicht nur in die politischen Machenschaften der Wadias, sondern auch in die verbotene Liebesbeziehung zwischen Sunny und der Journalistin Neda hineingezogen. Er würde für Sunny alles tun - ohne zu ahnen, dass sein größter Loyalitätsbeweis Sunny, Neda und ihn selbst in eine Spirale der Gewalt verstricken wird ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.05.2023

Rezensentin Katharina Granzin liest mit dem Buch der indischen Autorin Depti Kapoor ein "Sozialdrama", das sie gleichzeitig wie ein Thriller fesselt. Kapoor erzählt das Leben dreier personen aus unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft, und führt dabei, so die Rezensentin, die extremen sozialen Unterschiede der indischen Gesellschaft in ihrer "monströsen Polarität" vor Augen. Im Mittelpunkt steht Ajay, dessen Weg ihn aus größter Armut in den Dienst des reichen Unternehmersohnes Sunny führt, so die Kritikerin, wobei Ajay Kampftechniken erlernt, die ihn potenziell auch zum Töten befähigen. Dritte tragende Figur ist Sunny Freundin Neda, eine junge Journalistin. Granzin zufolge stellt die Autorin deutlich heraus, dass keine ihrer Figuren davor gefeit ist, unmoralisch zu handeln. Ihnen stellt Kapoor die wahren Machthaber als absolut böse entgegen, was Grazin ein bisschen schlicht erscheint, doch sie tröstet sich mit der Aussicht auf die "Wehrhaftigkeit der Machtlosen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2023

Nun können deutsche Leser testen, ob Deepti Kapoors Trilogie tatsächlich mit Mario Puzos "Paten" mithalten kann, frohlockt Rezensentin Katrin Doerksen, nachdem sie den ersten Band der in Indien spielenden Gangstergeschichte kennt. Aus drei Perspektiven wird über den Tod von fünf Obdachlosen erzählt, die nachts in Delhi von einer Limousine zermalmt werden. In den fast siebenhundert Seiten, schreibt Doerksen, wird nicht nur nach einem Täter, sondern auch nach Schuldigen für eine Moral gesucht, die viele Tragödien schafft, weil das Land nach wie vor stark vom Kastenwesen geprägt ist. Als Box-in-the-Box habe Kapoor ihren Roman gestaltet, lobt die Rezensentin. Dass die Geschichte, die um einen ehrgeizigen Bauern, eine Mittelschichts-Journalistin und einen schillernden Unternehmersohn kreist, als Fernsehserie in Arbeit ist, verwundert Doerksen nicht, denn die Autorin beherrsche das Handwerk "filmischer Sprache", lobt die Rezensentin. 

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