Herausgegeben von Dietrich Steinwede und Dietmar Först. In nahezu allen Kulturen der Welt gewann die Auffassung Gültigkeit, daß der Tod nicht das Ende bedeutet, der Mensch vielmehr eine Wandlung erlebt und neues Leben auf ihn wartet. In den Jenseitsmythen lebt die Sehnsucht des Menschen auf Erfüllung. Sie sind Lebensutopien gegen den Tod. In ihnen wird das neue Leben in bunten Farben und auf vielfältige Weise ausgemalt. Selbst in den Vorstellungen einer Gegen- und Unterwelt sowie eines Endgerichts gewinnt die Lebenszugewandtheit des Menschen Ausdruck, dessen Sehnsucht allerdings nur in paradiesisch-göttlicher, himmlischer Erfüllung gestillt werden kann. Dies ist eine repräsentative Sammlung von Jenseitsmythen aus allen Kontinenten, die bedeutendsten Zeugnisse aus vielen Kulturen, Texte und Bilder mit Sacherläuterungen umfasst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2005
Ein "kluges Buch" sieht Marcia Bodrozic in Dietrich Steinwedes und Dietmar Försts Band über "Jenseitsmythen der Menschheit", der die Jenseitsvorstellungen Mesopotamiens, des Alten Ägyptens, Griechenlands, Roms, der Nordgermanen untersucht und auch iranische, indonesische, tibetische Mythen beleuchtet. Die beiden Mythenforscher haben zur Freude der Rezensenten die Jenseitsvorstellungen mit "lesenswerten Textbeispielen" untermalt und jenes geistige Prinzip hervorgehoben, das Goethe in seinem West-Östlichen Diwan als "das Höhere Waltende" beschrieben habe. Beruhigend findet Bodrozic etwa die Vorstellung menschlicher Seelen als Sterne, die sich bei Cicero und Platon ebenso finden lässt.Sie berichtet über die muslimische Darstellung vom Paradies, die das Jenseitige durchaus mit hiesigen Mitteln zeige, über das mystische Element der Vergebung, Vereinigung oder des Friedens bei Aurelius Augustinus und Dantes Paradiesvision, die im Rückbezug des einzelnen Menschen auf sich selbst gipfle. Das Resümee der Rezensentin: Ein Buch, das zeige, "wie literarisch das Leben ist".
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