Mit über 1000 Kritiken von mehr als 2000 Schallplatten - mit Essays zur Musik der 80er und 90er Jahre und zur heutigen Situation - mit Kommentaren und Ergänzungen zu den Kritiken - mit einem Register mit allen unwichtigen, wichtigen und lebenswichtigen Namen und Begriffen aus den letzten 20 Jahren. 1989 erschien das Nachschlagewerk "1500" Schallplatten von Diedrich Diederichsen. Wer immer sich für Punk, New Wave, Industrial, die Neue Deutsche Welle oder auch die Anfänge von Rap und HipHop interessierte, brauchte das Buch. Sein Clou bestand darin, dass Diederichsen jede einzelne Besprechung aus der Perspektive von `89 noch einmal kommentierte und so eine geschichtliche Dimension verlieh. Jetzt kommt das Buch neu auf den Markt, und zwar erheblich erweitert und aktualisiert: nämlich um ein ganzes Jahrzehnt. Diederichsen hat die Kritiken der 90er Jahre, während der er weiter Herausgeber der Musikzeitschrift Spex war, gesammelt und wieder aus der Perspektive des abgeschlossenen Jahrzehnts kommentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.08.2000
Großer Respekt für Diedrich Diederichsens "Werk" kennzeichnet trotz des halbironischen Tons ("frühe Werkausgabe") die Besprechung von Klaus Walter. Diederichsens wegen seines, so Walter, "reflektierten Größenwahns" bei manchem verhasster und doch schulbildender Kritikstil wird genau in den zeitgenössischen Popdiskursen zwischen Lester Bangs und Greil Marcus verortet und als "Autoren-Modell `Simultanhistoriker`" beschrieben. Aufschlussreich findet Walter insbesondere das, was er den "revisited-Effekt" nennt: Diederichsens nachträgliche Kommentierung der faksimiliert abgedruckten Einsichten und Irrtümer aus zwanzig Jahren.
Angesichts der Tatsache, dass die ausführliche Plattenkritik eine aussterbende Gattung ist, sieht Martin Pesch in dem Buch einen "ebenso anachronistischen wie anarchischen Zug", und er lobt es ausdrücklich. Der Autor, einer der "wichtigsten Beobachter und Kommentatoren der gegenwärtigen Popkultur", schreibe in dem Bewusstsein der Geschichtlichkeit, was seine Ausführungen über Schallplatten der letzten 20 Jahre auch heute noch lesenswert erscheinen lasse, so der Rezensent anerkennend. Dass Diederichsen dabei frei von Besserwisserei und "Koketterie" sei, findet Pesch besonders lobenswert.
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