Reisende der um die Mitte des 18. Jahrhunderts immer beliebter werdenden "Grand Tour" suchten im Süden Italiens vor allem die Spuren der griechischen Kultur. Paestum, Segesta, Selinunt und Agrigent mussten die klassische Idealität der Tempel Griechenlands ersetzen, denn das Mutterland der Antike war von den Türken besetzt. Auf der Suche nach der Eindrücklichkeit dieser Urbilder monumentaler Architektur blieben die Städte, deren Zentrum sie einmal gewesen waren, unberücksichtigt. Das begann sich erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ändern und hat im Laufe der jüngeren Forschungsgeschichte eine wissenschaftliche Basis gefunden. Unter diesen Voraussetzungen unternimmt der Autor eine erste großangelegte und durch neue Ergebnisse bereicherte Zusammenschau heutiger Kenntnisse von den Städten und der Baukunst des ehemaligen griechischen Westens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2006
Einfach "vorbildlich" ist diese Studie für Rezensent Roman Hollenstein. Der Autor gebe einen profunden Überblick über den aktuellen Forschungsstand und glänze darüber hinaus mit Exkursen wie beispielsweise zur Bauschule von Agrigent. Dabei würden auch allerneueste Funde aus den jeweiligen Grabungsgebieten mit einbezogen, wodurch es Dieter Mertens gelinge, sogar den Stand einer Ausstellung in Venedig von 1996 weiter zu "verfeinern". Neben den Tempeln konzentriere der Autor seine Darstellung auf die verschiedenen historisch und geologisch übereinander geschichteten Stadtstrukturen. Leider, merkt der Rezensent an, geht die hohe wissenschaftliche Qualität mit einer bescheidenen visuellen Aufbereitung einher, die für den Laien nur wenig anschaulich sei.
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