Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Eine Tochter betrachtet ihre Mutter. Sie droht ihr zu entgleiten, denn das Alter frisst an ihren Erinnerungen, verändert ihre Persönlichkeit. Wie sie wiederfinden, wie Frieden schließen mit den alten Verletzungen, dem Mangel an Worten, der ungestillten Sehnsucht nach Nähe und Zärtlichkeit? Geschichten sind eine Brücke. Und so beginnt die erwachsene Tochter, die ein ganz anderes Leben führt, der Mutter deren eigene Geschichte zu erzählen: die einer armer Bauernfamilie in den Abruzzen, in der die Männer als Wanderarbeiter in die Fremde gingen, während die Frauen die kargen Felder bestellten, für das Überleben sorgten. In der die harte Arbeit keinen Platz für Gefühle ließ, nicht mal für die Liebe zum eigenen Kind. Donatella Di Pietrantonio erzählt in ihrem mehrfach preisgekrönten Debütroman die Geschichte einer Versöhnung und entführt uns zugleich in das unbekannte, archaische Italien der Abruzzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2013
Sandra Kerschbaumer lässt dieser Debütroman einer 50-Jährigen nicht los. Nicht nur die ferne und fremde archaische Bauernwelt der Abruzzen bringt ihr Donatella Di Pietrantonios Erinnerungsroman nahe, auch das Thema Demenz weiß die Autorin laut Kerschbaumer, arrangiert in Opposition zum Erzählen aus der Erinnerung, neu anzugehen. Weniger glücklich ist die Rezensentin mit der Erzählhaltung. Das "Du", welches die Tochter wählt, um der Erinnerung ihrer kranken Mutter auf die Sprünge zu helfen, erscheint ihr doch allzu verwirrend, ja gesucht und teilweise unglaubwürdig. Besonders schade, meint Kerschbaumer, bei diesem ansonsten so realistischen Roman.
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