Douglas Stuart

John of John

Roman
Cover: John of John
Hanser Berlin, Berlin 2026
ISBN 9783446285828
Gebunden, 560 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz. Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig - blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund .

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.04.2026

Den vorauseilenden Hype inklusive frühzeitig erscheinender deutscher Übersetzung ist Douglas Stuarts neuer Roman nicht wert, meint Rezensentin Anna Vollmer. An den Themen liegt es nicht: erzählt wird vom titelgebenden "John of John", eigentlich John-Calum, der nach einem Textilstudium in Edinburgh auf seine Heimatinsel der Hebriden zurückkehrt, wo er mit seiner religiösen Familie, den Inseltraditionen und seiner dort geschmähten Homosexualität hadert. Auch alle anderen Figuren haben auf ihre Weise mit dem Zwiespalt zwischen Individualität und Zugehörigkeit zu kämpfen, nur leider bleibt Stuart hier oft oberflächlich, findet Vollmer - viele Dialoge, in denen aneinander vorbeigeredet wird, aber wenig Tiefgang. Auch die Klassenfrage gerät ihr zu klischeehaft: Cal als ehrlicher Arbeitersohn vs. die Großstadt-Girlies, die das Textilstudium nur zum Zeitvertreib machen. Einzig die große tragische Liebesgeschichte im Zentrum des Romans entfaltet für die Kritikerin eine den großen Themen angemessene Tiefe. Stuarts "blumige" Sprache mit teils "sinnlosen" Metpahern ("öliger Groll", zitiert sie etwa) stört Vollmer hingegen zusätzlich.

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