Stefan Zweig zeichnete Johannes Calvin in seinem Roman als freudlosen Finsterling, als ebenso tyrannischen wie verklemmten Gottesmann. Doch: Stimmt dieses Bild eigentlich? Herman Selderhuis setzt sich auf die Spur dieses Mannes und versucht, näher an ihn heran zu kommen. Mit wachem Interesse an einem ungewöhnlichen, turbulenten und folgenreichen Lebenslauf am Beginn der Moderne schreitet Selderhuis die Lebensstationen Calvins ab, in ebenso kritischer wie heiterer Distanz zu dessen Person. Was hat diesen Menschen bewegt, betrübt, beglückt? Wenn er ein Herz hatte, was war darin? So zeichnet der Autor das Bild eines Mannes, der um Freiheit und Glück ringt und doch gefangen bleibt in den Begrenzungen seiner Herkunft und Erziehung und in den Konventionen und Erwartungen seiner Zeit. Der Despot entpuppt sich als Zeitgenosse, der sich Mühe gibt, das Richtige zu tun.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.07.2009
Etwas durchwachsen findet Stephan Speicher dieses Buch über Johannes Calvin mit einführendem Charakter, das Herman J. Selderhuis vorgelegt hat. Unter den Neuerscheinungen zum 500. Geburtstag des strengen Reformators zeichnet es in seinen Augen das "freundlichste Calvinbild". Besonders hebt er die Intention des Autors hervor, Calvin gegen den Vorwurf der Gefühlskälte zu verteidigen. Etwas unpassend scheint Speicher der betont saloppe Tonfall, in dem das Buch geschrieben ist. Auch dass es Calvin als eine für sich dastehende Figur zeichnet und den politischen Kämpfen in Genf, den Auseinandersetzungen mit Frankreich und dem Kaiser nur wenig Aufmerksamkeit schenkt, hat ihn gestört. Zudem kommen seines Erachtens die Gegner Calvins zu wenig zu Wort.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.05.2009
Diese Biografie hat ihre Grenzen. Christoph Fleischmann erkennt sie in der Anlage des Buches als eine um ein Gerüst von Selbstaussagen herum konstruierte. Was über Calvin aus seinen eigenen Briefen und Predigten ans Licht kommt, findet Fleischmann zwar kurzweilig zu lesen. Das Ziel des Buches von Hermann Selderhuis, das schlechte Image des Genfer Reformators aufzupolieren, unterlaufen Calvins Selbstaussagen laut Fleischmann jedoch ganz prima. Dessen verbissene Härte und Kompromisslosigkeit werde in seinen persönlichen Mitteilungen nur allzu deutlich. Der aus der Anlage resultierende "tendenziell apologetische" Charakter der Biografie lässt den Rezensenten die Gegenspieler Calvins und ihre Anliegen vermissen.
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