Der Versailler Vertrag hat die Welt geprägt bis heute - alte Reiche versanken, moderne Nationalstaaten erwachten, es entflammten aber auch neue Konflikte, ob auf dem Balkan oder im Nahen Osten. Dabei waren 1919 die Hoffnungen der ganzen Welt darauf gerichtet, dass nach dem Großen Krieg eine stabile Ordnung geschaffen und dauerhafter Friede herrschen würde. Doch wie Eckart Conze in seinem glänzend geschriebenen und minutiös recherchierten Buch zeigt, erwiesen sich alle Hoffnungen als gewaltige Illusion. Denn weder die alliierten Sieger noch das geschlagene Deutschland und die anderen Verlierer waren bereit, wirklich Frieden zu machen. Auf allen Seiten ging auch nach dem Waffenstillstand der Krieg in den Köpfen weiter, mit verheerenden Folgen. Versailles - das war der Frieden, den keiner wollte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Bei den Versailler Verhandlungen richteten sich die meisten Hoffnungen auf den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Nicht nur weil er als großer Sieger aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen ist, sondern weil der fromme Christ zuvor das Selbstbestimmungsrecht der Völker proklamiert hatte. Der Marburger Historiker Eckart Conze untersucht in seinem Buch die Folgen dieser Proklamation, von der die realpolitisch gesinnte Rezensentin Franziska Augstein eh nie viel gehalten ist. Laut Conze beschränkten sich Wilsons Vorstellungen auf die europäischen Völker, aber plötzlich reisten auch afrikanische und asiatische Delegationen nach Paris, die Vietnamesen kam mit Ho Chi Minh an der Spitze. Man ließ sie alle abblitzen. Augstein findet Conzes Überlegungen richtig und nachvollziehbar. Die große Illusion im Titel seines Buches bezieht Conze übrigens auf die Vorstellung, dass Demokratisierung und Nationalisierung den Frieden in Europa sicherer machen würden. Aber ob das das Ziel von Demokratisierung sei, sagt er nicht.
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