Wie alle Lebewesen wurde der Mensch in langen Ausleseprozessen geformt. Damit hat auch sein Gewissen einen biologischen Ursprung; dies scheint der Evolutionstheorie zu widersprechen, denn das Gewissen bremst rücksichtslosen Ellenbogen-Egoismus aus. Eine solche Schwäche produziert aber keine Sieger. Oder doch? Warum also hat sich beim Menschen ein Gewissen entwickelt? Ist es eine strategisch operierende Instanz zur Balance egoistischer und altruistischer Verhaltenstendenzen angesichts gesellschaftlicher Kooperation wie landläufig vermutet wird? Oder liegt seine Funktion in der Intimität des sozialen Nahbereichs?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2014
Nach anfänglichem Interesse legt Thomas Thiel das Buch des Soziobiologen Eckart Voland und der Psychologin Renate Voland doch etwas ermüdet beiseite. Woher das Gewissen kommt, scheint Thiel zunächst einmal eine spannende Frage zu sein. Und wenn die Autoren den Ursprung im Eltern-Kind-Konflikt verorten, spitzt Thiel die Ohren. Dass die Sache derart knochenhart ist, Kinder als Langzeitinvestment und familiäres Zusammenleben als Kosten-Nutzen-Rechnung verstanden wird, wie hier vermittelt werden soll, möchte Thiel allerdings nicht glauben. Und weil die herangezogenen Beispiele vor allem aus dem Tierreich stammen und weniger aus der modernen Zivilisation, bleibt er lieber bei seinem Glauben, dass die Gesellschaft da auch noch ein Wörtchen mitzureden hat.
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