"A la recherche du temps perdu" ist ein gigantischer Wörterteppich, dem Proust die stärksten Erzählfäden der europäischen Literatur eingewoben hat. Von Anakreon bis Zola - alle haben sie ihr Garn zur Recherche beigetragen. Ausgehend von einer dicht gewobenen Szene hoch oben im Haus von Combray, die im Versteckten berichtet, wie Marcel zum Schriftsteller wird, verfolgt Edi Zollinger feinste Webfäden der Recherche über die "Madeleine-Episode" und die Beschreibungen der Weissdornblüten im Park von Tansonville in die Werke unterschiedlichster Autoren zurück: in Andersens Märchen, in den Roman de la Rose oder in Sainte-Beuves heute kaum mehr gelesenen Roman Volupté etwa. Bis schließlich ans Licht kommt, dass Prousts schillerndste Fäden auch schon durch das Auge in Flauberts Webschiffchen gelaufen sind - und sie sich endlich alle wiederfinden auf der Spindel in Ovids Hand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2013
Mit der Lektüre von Edi Zollingers Untersuchung "Proust - Flaubert - Ovid" entwickelt Rezensent Helmut Mayer beinahe selbst eine Obsession für Marcel Prousts "Recherche". Denn so "detektivisch" und raffiniert wie der Münchner Romanist, der laut Mayer zu einem "teuflisch subtilen Proust" tendiert, das durchkomponierte Werk auf seine noch so versteckten Referenzen untersucht, kann der Kritiker gar nicht anders, als sich auch in den Bann der Spurensuche ziehen zu lassen. Und so liest er etwa fasziniert, dass der "Spinnenfaden", den der kleine Marcel im Altweibersommer lustvoll auf den Blättern eines Johannisbeerzweiges hinterlässt, auf die Spinnerin Arachne und damit Ovids "Metamorphosen" verweist. Überhaupt ist der Rezensent ganz hingerissen von Zollingers Kunst der Verknüpfung - auch, wenn ihm die eine oder andere Assoziation dieses "charmanten und spielerischen Parcours" nicht immer ganz plausibel erscheint.
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