Brassai

Proust und die Liebe zur Fotografie

Cover: Proust und die Liebe zur Fotografie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412176
Gebunden, 190 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Max Looser. Mit 16 Fotos. Die unbändige Leidenschaft Prousts für die Fotografie war seinen Zeitgenossen wohlvertraut. Doch dass sie mehr für ihn war als eine Marotte, nicht vergleichbar mit seiner Neigung, fürstliche Trinkgelder zu geben, mehrere Mäntel übereinander zu tragen oder endlose Räucherungen abzuhalten, zeigt Brassai in seinem Werk und Autor illustrierenden Essay: Proust hat in seinem Kampf gegen die Zeit gerade in der Fotografie, die dem unvordenklichen Wunsch entspringt, den Augenblick festzuhalten und ihn für immer zu fixieren, seine engste Verbündete gefunden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2001

Martin Meyer befindet die Studie des französischen Fotografen Brassai, der mit bürgerlichem Namen Gyula Halasz hieß, einer sehr langen Besprechung wert. Darin führt der Rezensent, der Brassais Werk, woran er bis zu seinem Tod im Jahr 1984 schrieb und das nun in einer deutschen Übersetzung vorliegt, ergreifend, vielfältig intelligent, sogar überragend findet, zahlreiche Episoden aus dem Leben des großen französischen Schriftstellers Marcel Proust auf, die er mit fotografischem Blick in seiner Literatur festhielt. Wenig wurde bisher die Bedeutung der Fotografie in Prousts Werk gewürdigt, informiert Meyer, umso erfreuter ist er darüber, dass ein Meister des Metiers wie Brassai sich dieses Unterfangens angenommen hat. So wie Fotografien, schreibt der Rezensent, prekäre Inkarnationen seien, die Nähe und Ferne zugleich erzeugten, das Gefühl des Habens wie das des Verlusts und entzogener Gegenwart, so habe Proust sich literarisch auf die "Suche nach der verlorenen Zeit" begeben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.08.2001

Die Paris-Fotografien und Porträts Brassais, des gebürtigen Siebenbürgen ungarischer Abstammung, der eigentlich Gyula Halász hieß, sind "sogar dem flüchtigsten Fotokonsumenten" vertraut, schreibt Michael Rutschky einleitend. Brassai schrieb auch Bücher, so über Henry Miller und Picasso, und zuletzt das nun in deutscher Übersetzung vorliegende über Marcel Proust. Der Fotograf bekunde hier seine Liebe zu Proust, "indem er Prousts Liebe zur Fotografie nachweise", meint Rutschky und findet die Gönnerhaftigkeit deutscher Rezensenten, die in diesem Werk vor allem so was wie eine lebensabschließende "Ach!Proust!"-Bekundung sehen, ungerecht. Der Rezensent sieht das Wertvolle und den beträchtlichen hermeneutischen Gewinn des Buches vor allem in dem systematischen Gedanken Brassais, die Fotografie sei das Modell, das dem gesamten Proustschen Oeuvre zu Grunde liege. "Unerschrocken" gehe Brassai mit der Deutung aufs Äußerste, der fotografische Prozess aus Belichten und Entwickeln leite die Konzeption von Erinnerung und Poesie mit dem Duft der Madeleine und im Modell der mémoire involontaire Prousts, erklärt Rutschky. Und dies könne man auch als Fürsprache mit großem zeitlichen Abstand für Roland Barthes lesen, der in "Kritik und Wahrheit" (1967) zu bedenken gab, dass die Strenge und Kunstfertigkeit entscheidend seien, mit der ein Literaturkritiker sein Schema verfolge, schreibt Rutschky.