Eginald Schlattner

Rote Handschuhe

Roman
Cover: Rote Handschuhe
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2001
ISBN 9783552051546
Gebunden, 608 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Eginald Schlattner zeichnet den Weg eines Menschen nach, der sich auf der falschen Seite wiederfindet. Auch in Rumänien verschärft sich 1957 die Jagd auf "Konterrevolutionäre", unter den Verhafteten ist ein junger Mann, er soll Informationen über Freunde und Kollegen, ja über seinen eigenen Bruder liefern. Unter dem massiven Druck bricht er letztendlich zusammen und wird zum Hauptbelastungszeugen. "Rote Handschuhe" beschreibt den Kampf eines Geschlagenen, doch nicht Zerstörten, um Integrität...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2001

Richtig begeistert ist Nicole Henneberg von Eginald Schlattners neuem Buch und nennt es "durch und durch ungewöhnlich". Die Geschichte spielt zu einem großen Teil in einer Gefängniszelle der rumänischen Securitate, in der Schlattners Alter Ego festgehalten und zur Denunziation gegen seine Schriftstellerkollegen gezwungen wird. Trotz dieses deprimierenden Ambientes ist dem Autor eine lebendige Geschichte voller "Fabulierlust" gelungen. In dieser Gefängniszelle erzählen sich die dort einsitzenden Menschen gegenseitig ihr Leben, und das funktioniert nach Ansicht der Rezensentin richtig gut, denn dem Autor gelingt es "die verstörende, unruhige Geschichte einer ganzen europäischen Region so leichthändig in einzelnen Personen erzählerisch kulminieren zu lassen" . Henneberg kann nicht nachvollziehen, dass der Autor für diese offene Aufarbeitung seiner Vergangenheit in seiner Heimat stark in die Kritik geraten ist. In den Augen der Rezensentin sind es "Romane wie diese, die uns Nachgeborenen Europa erklären".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001

Für Beatrix Langner ist das Buch "eine epische Schachtel mit vielen prallgefüllten Fächern." Schade nur, meint sie, dass alle Fächer irgendwie dasselbe enthalten. Um es deutlich zu sagen: Das mea culpa des Autors, der hier seine eigene Geschichte als Versuch einer Entsühnung erzählt, hält sie für misslungen. Die Erklärungen für die zurückliegende Schuld, Antworten auf die im Buch gestellte Frage, wie jemand zum Verräter dessen wird, was er doch liebt und wohin er gehört, bleibt der Roman ihrer Meinung nach schuldig. Was das Buch stattdessen zu bieten hat - "ein Höchstmaß an mnemotechnischer Anstrengung ... die feinen chromatischen Verschiebungen zwischen Gedächtnis und literarischer Umsetzung ... Familienchroniken und metaphysische Exkurse" -, ist für Langner kein Ersatz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2001

Sabine Brandt würde angesichts dieses Buchs gerne "die Begriffe Erschütterung und Erheiterung in einem Atemzug (...) verschmelzen" - dies wäre ihrer Ansicht nach die treffendste Charakterisierung für diesen Roman. Brandt legt Wert darauf, dass es - trotz der Schilderung der politischen Zustände in Rumänien um 1957 - hier nicht in erster Linie darum geht, das "politische Unrecht" zu dokumentieren. Vielmehr gehe es um die "absolute Unterwerfung des Individuums", etwa wenn ein Inhaftierter eines Tages sogar diejenigen verrät, die er liebt. Brandt gefällt es, dass der Autor Themen dieser Art durchaus mit dem "gebotenen Ernst" behandelt, auf der anderen Seite jedoch auch immer wieder viel Humor durchblitzen lässt. Dabei weiß sie es sehr zu schätzen, dass sich Schlattner nie als Richter oder "Prediger" gebärdet, sondern auch Selbstkritik übt und gleichzeitig aber auch Passagen "eher von Eulenspiegels Art" mit einfließen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2001

Für Werner Söller handelt es sich bei diesem Buch, "nicht nur um Belletristik, sondern ein hochbrisantes Dokument". Das liegt zum einen daran, dass der Protagonist, der nach Jahren der Folter in Securitate-Haft zum Verräter an mehreren Schriftstellern wird, identisch mit dem Autor ist, wie Söller vermutet. Zum anderen erhält dieses Buch nach Ansicht des Rezensenten seine Brisanz dadurch, dass Schlattner (nicht zuletzt durch die Verwendung leicht durchschaubarer Pseudonyme) ein präzises Porträt Rumäniens unter Ceausescu zeichnet - mit all der vorherrschenden Paranoia und der Bandbreite von "Opfern, Tätern, Mitläufern, Autoren, Redaktoren, Pressefunktionären". Söller rechnet es dem Autor hoch an, dass an keiner Stelle in "Rechtfertigungspathos" verfällt, um sich von eigener Schuld rein zu waschen. Zwar werde seine eigene Haftzeit und Folter detailliert geschildert, doch missbrauche er seine "real erlebte Hölle nicht als mildernden Umstand für den Verrat". Natürlich gehe es hier auch um Schuld. Doch Söller weiß es überaus zu schätzen, dass der Autor sich hier selbst den Prozess macht: "aufrecht stehend vor der strengen Instanz des eigenen Gewissens".

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