Elfriede Kern

Tabula rasa

Erzählungen
Cover: Tabula rasa
Jung und Jung Verlag, Salzburg - Wien 2003
ISBN 9783902144614
Gebunden, 155 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Ruth verfolgt einen Plan: sie trainiert Blanka, deren Karriere als Artistin durch jäh einsetzenden Sekundenschlaf endete, für ein glanzvolles Comeback. Dafür haben sich die beiden Frauen in eine Hütte zurückgezogen; abgeschieden liegt sie, hinter einem weiten Schneefeld. Doch sie bleiben nicht ungestört: aus dem angrenzenden Wald schleicht nachts ein Tier heran und schabt sich an der Hauswand, Männer aus dem Dorf machen sich auf den Weg, dringen regelrecht in die Einsamkeit ein, was die Frauen ohne nennenswerten Widerstand hinnehmen. Zu sehr sind sie mit sich beschäftigt, den einmal direkten, einmal sublimen Mechanismen von Unterdrückung und Unterwerfung. Erst als die Bedrohung von außen übermächtig wird, versuchen sie zu entkommen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2004

Der Rezensent mit dem Kürzel "jdl" scheint beeindruckt von der Konsequenz, mit der Elfriede Kern ihre negativen "Daseins-Parabeln" entwirft. Er lobt die "präziser Symbolik" und die "überaus genaue Sprache", mit der die Autorin die "traumartigen Gebilde, aus deren Schrecken man nicht erwacht", beschreibt. Insgesamt vier Erzählungen sind in dem Band versammelt, die Themen sind "flüchtige Freundschaften, finstere Rituale der Selbstzerstörung und immer wieder aufkeimende Hoffnungen" - so erzähle die Autorin eindrücklich vom "sozioökonomischen Elend" einer Zirkusgesellschaft am Rande eines Dorfes. "Falsche Zuversicht" wird nach Meinung des Rezensenten hier jedenfalls nicht verbreitet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2003

Vor allem im Vergleich mit ihrem Erstling "Schwarze Lämmer", befindet der Rezensent Kai Martin Wiegandt, sei dieser neue, zweite Band der Autorin eine leise Enttäuschung. Wenig habe sich verändert, stilistisch und auch thematisch. Mehr als zuvor erweisen sich die Geschichten ohne den Reiz des Neuen nun als "symbolschwangere psychoanalytische Eiertänze" um unausgesprochene Sachverhalte der Sorte "Schuld, Unterdrückung, sexuelle Gewalt". In der längsten der vier Erzählungen, "Ruth schläft", die sich auf D.H. Lawrences "Der Fuchs" bezieht, hat das für Wiegandt durchaus noch seine Faszination, er fühlt sich an Kafka erinnert, in den drei kürzeren Erzählungen aber zeige sich, dass das Konzept auf Dauer an Kraft einbüßt.
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