Aus dem Altjiddischen von Florian Kragl. 1507/8 schreibt Elia Levita Bachur, der große humanistische Hebräischgelehrte, wahrscheinlich in Padua als noch junger Mann ein Stanzenepos in altjiddischer Sprache: den 'Bovo dʼAntona'. Die kühne Mixtur aus Heldenepos und Ritterroman rund um das Liebespaar Bovo und Druseiane erinnert mit ihrem flotten Handlungsreichtum an Abenteuerromane. Der lakonisch-ironische Ton aber ist typisch renaissancehaft - ein einzigartiges Zeugnis jüdischer Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit, zugleich Urszene der jiddischen epischen Dichtung. Hier erscheint dieser frühe Höhepunkt europäischer Literatur erstmals in deutscher Übertragung, die nicht nur philologisch den Inhalt des Gedichts transportiert, sondern auch dessen poetische 'Stimmung' greifbar macht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2024
Rezensentin Susanne Klingenstein ist verliebt in diesen Text des jüdischen Gelehrten Eliah Levita Bachur, den Florian Kragl mit enormem Gespür für die auf Jiddisch verfasste Vorlage übersetzt hat. "Bovo D'Antona" ist das erste auf Jiddisch gedichtete Heldenepos, erklärt Klingenstein, eine "spritzige Persiflage" auf eine italienische Version des "Boeve de Haumtone"-Stoffs, auf dem auch Hamlet basiert. Die ausführlich erzählte Vorlage hat Levita verknappt und mit originellen Charakteren und sprachlichem Witz angereichert, freut sie sich, sodass aus dem Ritterroman eine "pfiffige Dichtung über ein starkes Liebespaar" wird. Das Werk war beim Publikum schon damals beliebt und kann noch heute mit seiner Klugheit überzeugen, so die Kritikerin. Die deutsche Sprache wird in der Übersetzung ziemlich "gebeutelt" meint sie, aber dadurch kommt man dem jüdischen Gelehrten ganz nahe.
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