Amerikas traumatische Kriegsgeschichte wird am ehesten verständlich, wenn man sie durch die Linse von Filmen erfasst. In den Erzählungen von Schlachten und Feldzügen, von Frontereignissen und dem Schicksal Daheimgebliebener kann Krieg für uns erfahrbar gemacht werden. In ihrer Analyse zentraler Klassiker von "All quiet on Western Front" bis zu den aktuellen Produktion wie "Flags of our Fathers" gelingt es Elisabeth Bronfen, Hollywood als zentralen Ort zu dechiffrieren, an dem die großen nationalen Erzählungen in Umlauf gebracht werden, damit das Publikum sich auf Phantasien, Ideologien und Ängste einlassen kann - und die flexibel genug sind, sich dem wechselnden politischen Klima anzupassen.
Elisabeth Bronfen hat mit ihrem Buch "Hollywoods Kriege" keine Polemik gegen eventuelle US-Propaganda in Filmstreifen geschrieben, sondern eine kluge und offene Analyse jenes Genres, das die Erfahrung des Krieges einzufangen versucht, berichtet Cristina Nord. Dabei sind vor allem drei Eckpunkte für jeden Kriegsfilm wichtig, erklärt die Rezensentin: der konkrete Krieg, die Entstehungszeit des Films und die Positionierung, sei es durch Anlehnung oder Abgrenzung, gegenüber vorangegangenen Filmen. Steven Spielberg griff für die Szene der Landung in der Normandie in "Saving Private Ryan" auf "alle Register des Genregedächtnisses" zurück, erfährt Nord, was allerdings gerne untergeht, wenn man die Zitate nicht erkennt oder vom Geschehen zu sehr gebannt ist. Der Kriegsfilm will die Kriegserfahrung verständlich machen, woran er zwangsläufig scheitern muss - und so bleibt das Genre in immer neuen Anläufen erhalten, erklärt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2014
Ein spannendes Buch hat Elisabeth Bronfen mit ihrer Studie über den amerikanischen Kriegsfilm vorgelegt, befindet Herfried Münkler. Bronfens von Foucault abgeleitete Kernthese, wonach "der Frieden bloß die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln" sei, das im Film geschilderte Kriegsgeschehen also auch in Friedenszeiten latent vorhanden und somit stets aktuell sei, hält der Rezensent zwar für nur bedingt belastbar, und auch an der Überzeugung, der eigentliche Kampf sei filmisch nicht darstellbar, meldet er leise Zweifel an. Dennoch liest Münkler das Buch mit Gewinn und einiger Faszination, insbesondere hinsichtlich der Frage, weshalb unsere postheroische Gesellschaft nach wie vor nach Heldengeschichten verlangt.
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