Ehe, Hetärentum und Konkubinat - im Stadtstaat Athen gab es unterschiedliche Formen der Partnerschaft zwischen Mann und Frau, die alle sozialen Normen und gesetzlichen Regelungen unterlagen. Anhand literarischer und bildlicher Quellen beleuchtet Hartmann das Spannungsfeld von idealem Anspruch und gelebter Wirklichkeit der Paarbeziehungen und gewährt Einblicke in das Alltagsleben der Antike.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2003
Drei Formen des "dauerhaften Zusammenlebens von Mann und Frau" im klassischen Athen untersucht diese Dissertation. Den bisherigen Darstellungen, betont der Rezensent Wolfgang Schuler, hat sie zunächst einmal den "ruhig-nüchternen Ton" voraus. In diesem Kontext ist das nicht wenig, meint Schuler, denn kaum je zuvor wurden sowohl das vor allem auf Absicherung der Polis ausgerichtete Institut der Ehe wie die gleichfalls "allgegenwärtige" Beziehung zwischen Mann und Hetäre ohne - vor allem - feministische Vorurteile ins Auge gefasst. Es zeigt sich, so der Rezensent, dass Hetären zwar oft prekären sozialen Positionen entstammen (etwa als freigelassene Sklavinnen), dass aber im Verhältnis zum Mann durchaus eine Art Gleichberechtigung die Regel eher als die Ausnahme war. Einen Einwand hat Schuler allerdings gegen die ihn im Grunde restlos überzeugende Studie: stellenweise beeinträchtigt der akademische Jargon das Lesevergnügen erheblich. Dennoch findet er die Untersuchung "richtungweisend".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2002
Die griechische Antike ist auch heute noch "attraktiv", meint der "uha." zeichnende Rezensent. Der Grund ist für ihn, dass in Athen zwar die geistige Grundlage für die späteren europäischen Demokratien geschaffen wurde, es gleichzeitig aber auch eine große sexuelle Freizügigkeit gab. Gerade darum findet der Rezensent die Dissertation von Elke Hartmann über die Beziehungen zwischen Männern und Frauen hoch interessant. Denn die Autorin präsentiere ein anderes Bild als das weit verbreitete über die sexuellen Ausschweifungen der alten Griechen. Knabenliebe und Homosexualität waren lediglich marginal, hingegen unterschied man, referiert der Rezensent, drei heterosexuelle Beziehungstypen: die Ehe mit einer gebürtigen Athenerin und die außer- oder vorehelichen Beziehungen mit Sklavinnen: den Konkubinen (für die voreheliche Beziehung) und Hetären, die wohl mehr für verheiratete Erwachsene waren. Frauen, so der Rezensent, profitierten von diesen Freiräumen allerdings weniger. Letztlich, denkt er, sind Hartmanns Befunde von der Gegenwart gar nicht so weit entfernt.
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