Herausgegeben und aus dem Chinesischen übersetzt von Richard von Schirach. Nachdem er zweimal durch die Beamtenprüfung fällt, unterlässt Shen Fu weitere Karrierebestrebungen und begnügt sich mit einem bescheidenen Leben. Er verliebt sich in seine Cousine Chen Yun, die er bald darauf heiratet. Zwar verschläft er die Hochzeitsnacht, aber die beiden Eheleute verleben trotz materieller Einschränkungen glückliche Jahre und bekommen zwei Kinder. Als sie aus Statusgründen ihrem Mann eine Konkubine zuführt, verliebt sich Chen Yun jedoch selbst in die 16-jährige Hanyuan und beginnt eine von ihrem Mann, aber nicht von der Familie geduldete Affäre. Die beiden werden daraufhin verstoßen, müssen ihre Kinder zurücklassen und sich in bittere Armut begeben. An dem Schmerz über den Verlust ihrer Liebe erkrankt die bereits ausgezehrte Chen Yun und geht an Elend und Kummer buchstäblich zugrunde. Shen Fu ist voller Trauer, doch seine Begabung zum Glücklichsein und seine aus dem Herzen kommende Fröhlichkeit lassen ihn ein neues Leben in Einsamkeit finden und genießen.
Diese 1877 aus dem Manuskript erstmals publizierte, ungewöhnlich freie Autobiografie wurde sofort ein großer Erfolg, der bis heute anhält: an die 300 verschiedene Ausgaben des Buchs in millionenfachen Auflagen sind bislang erschienen, mehrere Verfilmungen, Bühnenfassungen und Vertonungen sind entstanden. Richard v. Schirach hat diesen erstaunlich modernen Klassiker mit seiner bestechend lebensnahen Schilderung des Lebens in der Mitte des 18. Jahrhunderts neu übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.06.2019
Rezensentin Katharina Borchardt freut sich über diese Neuübersetzung der Autobiografie von Fu Shen, die in China und Taiwan längst zum Kanon gehört und die sie auch deutschen Lesern ihrer Modernität und "Frische" wegen unbedingt empfiehlt. Sie liest hier die Lebensgeschichte des jungen Mannes, der ihr aus dem Rückblick von Kindheit, Ehe, Affäre, Freundschaften, Reisen und Alltag in der Qing-Dynastie erzählt, staunt bei aller Wehmut über den "feinsinnigen Humor" des Autors, der dafür sorge, dass der Text keine "Loser-Burleske" werde und wünscht dem zu Lebzeiten nicht besonders erfolgreichen Autor viele Leser.
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