Herausgegeben und mit einem Nachwort von Ricarda Dick. Mit zehn farbigen Illustrationen. 1923 erschien Else Lasker-Schülers "Theben": In diesem Text-Bild-Zyklus der doppelbegabten Künstlerin bilden zehn ihrer Gedichte in faksimilierter Handschrift - darunter "Ein alter Tibetteppich" und "Mein Volk" - mit eigens hierfür von ihr geschaffenen Zeichnungen ein neues, faszinierendes Ganzes, in dessen Zentrum ihr poetisches Alter Ego, Prinz Jussuf von Theben, steht. Der prächtig gestaltete, großformatige Band stellt auf zehn Doppelseiten jeweils ein Gedicht einem Bild gegenüber. Die Gedichte wurden von Else Lasker-Schüler für den Theben-Band ausgewählt und mit der Hand abgeschrieben. Fünfzig Exemplare der nur in einer Auflage von 250 Stück gedruckten Originalausgabe kolorierte sie eigenhändig, jedes von ihnen wurde so zum Unikat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.02.2003
Uta Grossmann hebt anlässlich der Wiederauflage dieses Bandes der von ihr offenbar bewunderten Dichterin den sehr hohen Stellenwert hervor, den dieser Band für Else Lasker-Schüler selbst besaß, weil hier ihre Gedichte und Zeichnungen nebeneinander standen. Schrift und Bild hätten für Else Lasker-Schüler "in einem morphologischen Verhältnis" zueinander gestanden: Ihr Zeichnen habe sie einmal dadurch charakterisiert, dass ihren "Buchstaben" dabei "die Blüte" aufgeht. Das Buch enthalte neben den handkolorierten Zeichnungen der Dichterin außerdem viele der "längst kanonisierten" Gedichte Lasker-Schülers. Der Band belege auch noch einmal beeindruckend die Bedeutung der Liebe für Lasker-Schüler "als Rechtfertigung der dichterischen Existenz." Leider sagt die Rezensentin nichts darüber, ob die Neuauflage in der Ausstattung an die "bibliophile Rarität" heranreicht, die die "luxuriös ausgestattete" 20-er Jahre-Ausgabe des Buches inzwischen geworden sei.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2002
Als eine "wunderbare Faksimileausgabe" feiert Angelika Overath diesen Band, dessen Entstehen sie in einer Kritik, die vor allem dem Band "Das Hebräerland" gewidmet ist, kurz skizziert. Sie spricht vom "Gottesdienst an der Sprache", als den sie Lasker-Schülers Dichtung versteht, und von dem Kult der Liebe, den diese trieb. Der vorliegende Band scheint ihn aufs schönste zu illustrieren. In "Theben" seien einige der schönsten Gedichte von Lasker-Schüler versammelt - etwa "Mein Volk" von 1905 und "Ein alter Tibetteppich" von 1910. 1923 wählte Lasker-Schüler diese Gedichte für einen Prachtband aus, den sie eigenhändig in fünfzig Exemplaren kolorierte und der hier nun also reproduziert ist. Die ergriffene Rezensentin merkt im übrigen an, dass Lasker-Schülers Originalzeichnungen zu dem Band auf "gelblichem Telegrammpapier entstanden, das sie umsonst bei der Post mitnehmen konnte".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2002
"Verry verry beautiful a Schmuck. You must look it" hat Else Lasker-Schüler zu ihrem Buch 1923 geschrieben, und Beate Tröger schließt sich diesem Urteil gerne an. "Theben" sei "kein schlichter Gedichtband", nein, die zehn "liebevoll" lithographierten, von Else Lasker-Schüler handgeschriebenen Gedichte kombiniert mit den von ihr handkolorierten Tuschezeichnungen ergeben zusammen eine wahre "Schatztruhe". Die meist melancholischen Gedichte werden durch die ihnen gegenübergestellten farbigen Grafiken konterkariert, schreibt Tröger. Texte und Bilder träten so in eine Wechselbeziehung, durch das "verweisungsreiche Zusammenspiel" erhielten Gedichte und Grafiken neue, schillernde Facetten. Insgesamt zeugt dieser Band so für die Rezensentin in eindrucksvoller Weise von der poetischen und grafischen Doppelbegabung Else Lasker-Schülers.
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