Die Rätsel der Sprache und der Umgang der Menschen mit ihr stehen im Zentrum der Erzählungen von Endre Kukorelly. Ob ein Herzog täglich wechselnde Regeln aufstellt wie er anzusprechen ist oder ob in einem Freibad komische Geräusche aus den Lautsprechern gellen: Nichts ist zu verstehen. Auch bei absoluter Stille nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2000
Karl-Markus Gauss distanziert sich in seiner Rezension von Kritikerkollegen, die an Kukorelly gern die hohe Kunst lobten, "über nichts zu schreiben". Mit "solchem Feinsinn" will Gauss nichts zu tun haben. Er besteht darauf, dass Kukorelly sehr wohl "über etwas" schreibt. Über seine Erinnerungen etwa an die Kindheit, Frauen oder einen Briefträger, der klingelt und `Guten Tag sagt, ich bin es, der Tod`. Auch wenn Kukorellys Erinnerungen assoziativ sind, übergangslos "von Satz zu Satz auf eine andere Ebene" springen, in einem "Wortrauschen" versteckt sind - wogegen Gauss gar nichts hat - so ist seine Prosa nach Meinung des Rezensenten viel mehr als nur ein Spielchen mit der Syntax für Germanisten. Ganz unnötig also, "sie ins Grab der Literatenliteratur" zu loben, mahnt Gauss am Ende die Kollegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2000
Ilma Rakusa bespricht diesen Band zusammen mit einem anderen, ebenfalls gerade erschienenen Band mit Kurzprosa Kukorellys: "Lieblyng". Texte über Lit., Mus. usw. (Edition Solitude). Dabei unterscheidet die Rezensentin allerdings nicht zwischen den Bänden. Rakusa lobt vor allem die Unmittelbarkeit von Kukorellys Sprachduktus: Immer wieder schildert sie, dass es sozusagen die Sprache selbst sei, die sich in Kukorelly Notaten fortschreibe. Dabei gehe er in scheinbarer Einfachheit von Alltagsbeobachtungen aus: "In vordergründig schnodderigem Umgangston beschwört Kukorelly den ennui des Budapester oder Berliner Alltags, doch hinter der Beobachtung steht eine hinterfragende Sensibilität." In einigen Zitaten zeigt die Rezensentin, wie die Sprache bei Kukorelly, geleitet von Assoziationen und Klängen, ihre eigenen "Akkorde" gewinnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Mit grosser Sympathie bespricht Zsuzsanna Gahse dieses Buch Kukorellys, den sie für einen "Flaneur" hält und dessen Faible für "Müssiggänger" sie hier besonders gut zur Geltung gebracht sieht. Die Geschichte sei von Traurigkeit und Gleichgültigkeit geprägt, allerdings spiele Kukorelly häufig nur damit. Umso wirkungsvoller findet es Gahse aber, wenn beispielsweise das Thema Tod dann wirklich relevant wird. Probleme sieht die Rezensentin darin, Kukorellys Sprache wirklich angemessen zu übersetzen, vor allem, weil er - wie es in Ungarn sehr verbreitet sei - gerne "Beinahe-Sätze" verwende. Gahse meint, dass diese Ausdrucksweise auf deutsch zwangsläufig entweder falsch oder maniriert erscheint. Bei einer möglichen Satzergänzung müssten diese Sätze jedoch ihren ganz speziellen Ausdruck verlieren.
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