Aus dem Spanischen von Petra Strien-Bourmer. Nach dem Tod des Vaters kümmert sich Simon Schneider Reus um das verfallene Elternhaus in Cadaqués und um seine literarische Tätigkeit: Er beliefert Autoren mit literarischen Zitaten. Einer dieser Schriftsteller ist sein Bruder Rainer, der 20 Jahre zuvor nach New York ausgewandert, dort mit der Publikation seiner Romane zu einem der größten Stars der Literaturszene geworden ist und eine Art pynchoneske Existenz lebt. Es gibt keine Fotos von ihm, niemand weiß, wo er wohnt, zu seinem Werk äußert er sich, wenn überhaupt, nur schriftlich.Auf der Suche nach Inspiration unternimmt Simon an einem Oktoberwochenende 2017, als die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen ihren Höhepunkt erreichen, einen Spaziergang. Auf diesem sinnt er nicht nur seinem Leben und seinem Beruf nach, sondern muss sich auch mit der Nachricht seines Bruders auseinandersetzen, dass dieser auf dem Weg nach Barcelona sei und ihn unbedingt sehen müsse. Bei diesem Treffen prallen nicht nur zwei gegensätzliche Charaktere aufeinander, sondern auch zwei gegensätzliche Ansichten, wie es um die Originalität in der Literatur bestellt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2026
Rezensent Cornelius Wüllenkemper nimmt uns mit ins labyrintische Erzählen von Enrique Vila-Matas. Was der Autor mit seinem neuen Roman vorlegt, ist laut Rezensent ein raffiniertes Spiegelkabinett aus Zitaten, literarischen Verweisen, doppelten Böden und Metafiktionen. Seinem konzeptionellen Literaturbegriff bleibt der Auto also treu, meint Wüllenkemper und versichert zugleich, dass die Lektüre nicht anstrengend, sondern im Gegenteil leicht, komisch und sogar instruktiv ist. Auch wenn die Handlung eigentlich kaum ins Gewicht fällt, wie wir lernen, es geht um zwei spanische Brüder, der eine Schriftsteller mit Hang zur zitierenden Geschwätzigkeit, der andere sein skeptischer Steigbügelhalter bzw. Zitatgeber.
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