Aus dem Französischen von Hanna van Laak. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2014. Eine alte Frau, die am Fenster ihrer kleinen Wohnung sitzt, hat das Gedächtnis verloren und erzählt ihrer Tochter immer wieder von der einzigen Periode ihres Lebens, die in ihrem Geist lebendig geblieben ist: Montse wächst als Bauerstochter in einem kleinen katalanischen Dorf auf, in einer Welt, die so langsam wie der Schritt der Maulesel ist. Sie soll Dienstmädchen bei dem reichsten Großgrundbesitzer der Gegend werden. Stattdessen folgt sie im Sommer 1936 ihrem älteren Bruder José, der von anarchistischen Ideen beseelt ist, nach Barcelona. Dort entdeckt sie eine Freiheit, die sie schwindeln macht, und erlebt eine leidenschaftliche Liebe. Obwohl ihr Geliebter im Untergrund verschwindet, bleibt dieser kurze Sommer der Anarchie in ihrer Erinnerung für immer als Verzauberung haften. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und lässt sich von ihrer Mutter ausgerechnet mit dem politischen Widersacher ihres Bruders José verheiraten. Bald erschüttern erste Gewalttätigkeiten die Gemeinde, und Montses Familie ist gezwungen, neue Wege zu beschreiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.05.2016
Das Label "Roman" kann kaum davon ablenken, dass es sich bei "Weine nicht" im Grunde um die Lebensgeschichte der Mutter der Autorin handele, schreibt Rezensent Markus Schwering. Im Mittelpunkt des Buches steht der Ausbruch des spanische Bürgerkriegs 1936, in dem sich Franco-Anhänger, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten gegenüberstehen. Mittendrin: Die 15-jährige Montserrat, genannt "Montse". Schon die Erzählperspektive dieses "atemberaubenden" Romans, die dreifache Brechung der Perspektive, die dadurch entstehe, dass Autorin, Erzählerin und Montserrat allesamt als erzählende Instanzen auftreten, imponiert unserem Rezensenten. Dazu kommt eine "saftige" Sprache und ein ideologiefreier Blick, der dem Leser am Ende verdeutlicht, dass die Republikanischer weniger an Francos Truppen scheiterten als an ihrer eigenen Zerstrittenheit, lobt der Schwering.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.03.2016
Rezensent Joseph Hanimann freut sich sichtlich über die Übertragung von Lydie Salvayres raffiniert verspieltem Romanwerk, in dem sie die Geschichte ihrer im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Anarchisten kämpfenden Mutter erzählt bzw. sich von ihr erzählen lässt. Schon allein das putzige "Fragnol" der längst in Frankreich lebenden Mutter hat Hanimann begeistert. Dann vor allem aber, wie Salvayres die Freiheiten des Romans nutzt, um mit der Montage von dokumentarischem Material, Assoziationen und den Erzählungen der Mutter Historisches und Biografisches gekonnt zu vermischen. Sodass der Text dadurch nicht beliebig wird, sondern komplex, und die Handlung vorangetrieben.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…