Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim - bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2026
Rezensent Tilman Spreckelsen findet Esther Schüttpelz raffiniert. Den zweiten Roman der Autorin liest er mit wachsender Spannung, auch wenn die Protagonistin, die scheinbar ziellos im Auto durch die Nacht fährt, ein Reh überfährt und über ihr Leben nachsinnt, ihm nicht wirklich sympathisch wird. Interessant scheint ihm der von Gegensätzen geprägte Gang der Erzählung allemal. Wenn die Heldin genau dort ankommt, wo sie zu Beginn des Textes losgefahren ist, hat sich dennoch etwas bewegt und verändert, ahnt Spreckelsen einigermaßen fasziniert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.03.2026
Rezensentin Judith von Sternburg lässt in ihrer Rezension vieles so "attraktiv in der Schwebe", wie es Esther Schüttelpelz auch in ihrem Roman tut. Diese Ambivalenz, die Offenheit, die wohldosierten Erklärungen sind es nämlich, die diesen Roman ausmachen. Das wenige, was von Sternburg erklärt bekommt: Es gibt eine Frau und diese Frau ist Künstlerin und sie will vielleicht raus aus ihrem Leben, also setzt sie sich ins Auto und lässt sich vom Zufall, der titelgebenden "Grünen Welle" tragen. Außerdem ist da ein wohlhabender Partner, eine gute Freundin, ein paar Anhalterinnen und ein paar blaue Flecken an den Armen der Frau. Das wenige, was wir von der Rezensentin erklärt bekommen: Dass diese sparsamen Informationen ausreichen, um von Sternburg mitzuziehen, dass die Autorin schnörkellos schreibt, und mit einem Sinn für Tempo, und dass die Ambivalenz eine Intensität erzeugt, die nachlässt in dem Moment, in dem "einiges nicht mehr offen ist".
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