Esther Schüttpelz

Grüne Welle

Roman
Cover: Grüne Welle
Diogenes Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783257073812
Gebunden, 208 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim - bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2026

In Esther Schüttpelz' zweitem Roman geht es um eine Frau, die in ihrer Beziehung Gewalt erfährt, dies aber gar nicht wirklich begreifen oder reflektieren kann oder will, schreibt Rezensentin Leonore Kogler. Sie sitzt im Auto, weiß nicht so recht, ob sie nach Hause fahren soll, bricht mit ihren Gedanken immer wieder ab, versucht, die Schuld bei sich zu suchen, sie nimmt noch zwei trampende Frauen mit, für Kogler wird das Buch so eine Art "sehr ernste Roadnovel". Dass die Frau keinen Namen hat, macht für sie die Allgemeingültigkeit der Geschichte klar, macht aber auch die Figur vielleicht etwas zu abstrakt. Dennoch lobt die Rezensentin, wie Schüttpelz die Ohnmachts- und Verzweiflungsgefühle der Protagonistin abbildet und die Leserinnen am Ende in die Unwissenheit entlässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2026

Rezensent Tilman Spreckelsen findet Esther Schüttpelz raffiniert. Den zweiten Roman der Autorin liest er mit wachsender Spannung, auch wenn die Protagonistin, die scheinbar ziellos im Auto durch die Nacht fährt, ein Reh überfährt und über ihr Leben nachsinnt, ihm nicht wirklich sympathisch wird. Interessant scheint ihm der von Gegensätzen geprägte Gang der Erzählung allemal. Wenn die Heldin genau dort ankommt, wo sie zu Beginn des Textes losgefahren ist, hat sich dennoch etwas bewegt und verändert, ahnt Spreckelsen einigermaßen fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.03.2026

Rezensentin Judith von Sternburg lässt in ihrer Rezension vieles so "attraktiv in der Schwebe", wie es Esther Schüttelpelz auch in ihrem Roman tut. Diese Ambivalenz, die Offenheit, die wohldosierten Erklärungen sind es nämlich, die diesen Roman ausmachen. Das wenige, was von Sternburg erklärt bekommt: Es gibt eine Frau und diese Frau ist Künstlerin und sie will vielleicht raus aus ihrem Leben, also setzt sie sich ins Auto und lässt sich vom Zufall, der titelgebenden "Grünen Welle" tragen. Außerdem ist da ein wohlhabender Partner, eine gute Freundin, ein paar Anhalterinnen und ein paar blaue Flecken an den Armen der Frau. Das wenige, was wir von der Rezensentin erklärt bekommen: Dass diese sparsamen Informationen ausreichen, um von Sternburg mitzuziehen, dass die Autorin schnörkellos schreibt, und mit einem Sinn für Tempo, und dass die Ambivalenz eine Intensität erzeugt, die nachlässt in dem Moment, in dem "einiges nicht mehr offen ist".

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