"Tussy, that's me" (Karl Marx): In ihrer Biografie schildert Eva Weissweiler das Drama der jüngsten Marx-Tochter, einer begabten und unglücklichen Frau, deren Leben von ihrem Engagement für Sozialismus und Frauenbewegung geprägt war - und vor allem von ihrem übermächtigen Vater. Jenny Julia Eleanor Marx, genannt "Tussy" , 1855 geboren, war die jüngste Tochter von Karl Marx und seiner Ehefrau Jenny von Westphalen. Eva Weissweiler hat Hunderte von Dokumenten erstmals ausgewertet, darunter Tussy Marx' Korrespondenz mit Kautsky, Bernstein, Singer, Adler und anderen. Deutlich wird, wie sehr Tussy als "Alleinerbin" die Edition der Marx'schen Schriften beeinflusst und das "Marx-Bild" geprägt hat. Zugleich erfahren wir eine Fülle unbekannter Details aus dem Leben und Wirken von Karl Marx und anderer Protagonisten der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.11.2002
Keine leichte Aufgabe hat Eva Weissweiler mit ihrer Biografie der Tussy Marx, der jüngsten Tochter und Sekretärin, PR-Agentin, Altenpflegerin, Testamentsvollstreckerin und Biografin von Karl Marx, übernommen, findet Rezensent Malte Oberschelp. Weissweilers Arbeit über Tussy unterscheidet sich für Oberschelp in zweierlei Hinsicht von den bisher auf deutsch erschienen Biografien: zum einen weise sie einen deutlich feministischen Ton auf, zum anderen thematisiere sie Tussys Reaktion auf die antisemitischen Ausfälle ihres Vaters - schließlich war Tussy im Gegensatz zu ihrem Vater zeitlebens stolz auf ihre jüdische Herkunft. Der Autorin gelingt es zum Bedauern des Rezensenten allerdings nur bedingt, mit ihrem frauenspezifischen Ansatz dem Bild der Tussy Marx neue Züge abzugewinnen. Oft kann sich Oberschelp des Eindrucks nicht erwehren, Weissweiler erzähle eine bekannte Geschichte nur mit einem neuen Vokabular und wolle Tussy feministisch vereinnahmen. "Letzten Endes", hält Oberschlep dagegen, "war Tussy Marx immer unsicher, ob sie das Interesse, das ihr (...) auf den Kongressen der Sozialistischen Internationalen und nicht zuletzt als Frau entgegen gebracht wurde, nicht dem Werk ihres Vaters verdanke." Insgesamt ist der Autorin nach Einschätzung trotzdem ein "lebendiges Bild" der Arbeits- und Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert gelungen, nicht zuletzt weil sie viele zeitgenössische Berichte, Briefe und Romane zitiere. Dass Weissweiler Tussys Leben oft im Stil eines "verkappten Kriminalromans" erzählt, ist dem Rezensenten allerdings bisweilen doch auf den Geist gegangen.
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