Mitten in der brodelnden Münchner Literatenszene zu Beginn des 20. Jahrhunderts sitzt eine junge Frau, die meistens still beobachtet. Sie heißt Regina Ullmann, ist dem anarchistischen Psychiater Otto Gross verfallen und wird eine der erstaunlichsten Schriftstellerinnen des deutschsprachigen Raums, von Rainer Maria Rilke gefördert, von Hermann Hesse und Thomas Mann verehrt. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer tragischen Liebe, die sich die genaue Beobachterin Eveline Hasler einfühlsam anverwandelt.
Positiv hat Oliver Pfohlmann diesen Roman Eveline Haslers über den Sexualrevolutionär Otto Gross und die Dichterin Regina Ullmann aufgenommen. Er attestiert der Autorin, Historie und Fiktion gekonnt in einer "sinnlichen Sprache" zu verbinden. Die Beziehung des Psychanalytikers und der unsicheren Schriftstellerin erscheint für ihn als "Begegnung zweier Seelenverwandter". Der Roman vermittelt in seinen Augen zahlreiche interessante Einblicke in das Seelen- und Sexleben der frühen Schwabinger Boheme. Er begrüßt, dass die Autorin Gross' Vater, der seinen kranken Sohn in die Psychiatrie einweisen ließ, Gerechtigkeit widerfahren lässt und dass sie die Reden von der Befreiung der Frau, dem Ende des Patriarchats und der kommenden Revolution fürs Mutterrecht als hohl entlarvt. Zudem sieht er in Haslers Roman einen willkommen Anlass, die weitgehend vergessene von Autoren wie Hermann Hesse, Thomas Mann oder Robert Musil sehr geschätzte Schriftstellerin Ullmann wiederzuentdecken.
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