Aus dem Italienischen von Karin Diemerling. Ein Bergdorf im Tessin. Das frisch gestrichene Gemeindehaus, die Bar, wo der Alkohol fließt, der Schulbus aus Acquarossa, der Bauer Sosto, der letzte, der Kühe hat. Das Dorf von Felice. Vor dem ersten Hahnenschrei bricht er auf, der alte Kauz, der meistens barfuß läuft, um in einer Gumpe weit oben hinter dem Kiefernwald zu baden. Auch bei Regen, auch bei Schnee. Danach hackt er Holz, pflückt im Garten Kakis, und wenn er im Wald Pilze findet, kommt er mit Käse zurück. Der junge Mann aus der Stadt, der mit ihm geht, entdeckt eine nie gesehene Dunkelheit, eine Stille, die hörbar, eine Kälte, die Hitze wird - und so manches Geheimnis um den neunzig Jahre alten Mann. Ihm wird klar: Wir dürfen uns Felice als glücklichen Menschen vorstellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2020
Rezensent Roman Bucheli erfährt eine große Befreiung mit Fabio Andinas Roman über einen Einsiedler in den Bergen und das Glück der Beschränkung aufs Wesentliche des Daseins. Was genau das sein könnte, ahnt Bucheli beim Lesen über den eher handlungsarmen Tagesablauf der elementaren Figur, die sich mit Sprüngen ins kalte Wasser jung hält. Beobachtungsgabe, kraftvolle Poesie und Menschenkenntnis zeichnen den Text laut Bucheli aus.
Rezensentin Katja Lückert zufolge berichtet der moderne Ich-Erzähler dieses kurzen Romans von den acht Tagen, in denen er sein Leben dem des 90-jährigen Felice angepasst hat. Der Greis führt im Schweizer Bleniotal ein einfaches, naturverbundenes und ritualisiertes Leben, zu dem ein tägliches Bad in einer Felswanne, Kaki-Sammeln und Tauschgeschäfte im Heimatdorf gehören, so Lückert. Verwundert stellt sie fest, dass sie sich bei den kargen Schilderungen keineswegs gelangweilt hat, obwohl der Ich-Erzähler kein Fazit aus seinem Experiment zieht. Vielleicht ahnt man beim Lesen die Bedingungen eines glücklichen Lebens, vermutet sie, "schließlich trägt Felice das Glück schon im Namen".
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