Anlässlich der 60. Wiederkehr des Attentats auf Hitler erscheinen erstmals - nach kompetenter Einführung in historische Zeitumstände und den Attentäterkreis - Interviews mit und Porträts von Enkeln der vielfach vom "Volksgerichtshof" hingerichteten Widerständler. Einordnung und Rezeption des Widerstands nach 1945 im geteilten Deutschland sind ebenso aufschlussreich wie die Sozialisierungs- und Anpassungsprozesse der Kinder und Enkel in der Adenauer- bzw. Ulbricht-Zeit. Viele der Enkel arbeiten heute in journalistischen und medizinischen Berufen oder sind in der Rechtspraxis tätig. Das Bedürfnis, sich zu engagieren und an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen bzw. sie zu beeinflussen, scheint bei den Erben ausgeprägt. Wir lernen Dorothee Röhrig-Dohnanyi (Redakteurin bei Marie-Claire), Andreas Scheffler (Chefredakteur beim Stern), Jens Jessen (Feuilleton-Chef bei Die Zeit) und weitere kennen. Viele der hier zu Wort Kommenden öffnen sich zum ersten Mal einem größeren Publikum.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2005
Eine "beeindruckende Arbeit" sieht Joachim Scholtyseck in diesem Buch von Felicitas von Aretin, das den Umgang mit dem Widerstand vom 20. Juli 1944 durch die Kinder und Enkel analysiert. Die ausführlichen Gespräche, die die Autorin mit vierzig Enkeln deutscher Hitler-Gegner geführt hat, bieten nach Scholtysecks Ansicht ein "facettenreiches und kaum verallgemeinerungsfähiges Bild" der Beschäftigung mit dem schwierigen Widerstandserbe. Er hebt positiv hervor, dass diesen Porträts vier "wichtige" sachliche Kapitel vorangestellt sind. Darin behandle von Aretin die Rezeptionsgeschichte und die sich in der Bundesrepublik verändernde Wahrnehmung des Widerstands gegen Hitler, schildere die Genese der Selbsthilfeorganisation der Überlebenden des 20. Juli und die zahlreichen Debatten, die Kinder und Enkel von Widerstandskämpfern führten, und beschreibe die teilweise heftigen Auseinandersetzungen um die inhaltliche Gestaltung der Gedenkfeiern zum 20. Juli. "Letztlich wird immer wieder deutlich", resümiert der Rezensent, "wie schwer es auch noch der Enkelgeneration fällt, sich mit dem Widerstand ihrer Großväter und Großmütter auseinander zu setzen".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2004
Reichlich Lob für ihre vielschichtige Beschäftigung mit dem 20. Juli 1944 erntet Felicitas von Aretin, Enkelin des am Attentat auf Hitler maßgeblich beteiligten Generalmajors Henning von Tresckow, von Seiten der Rezensentin Agnes Steinbauer. Besonders gefallen hat ihr, dass die Autorin zwar mit einer "sehr persönlichen Einführung" beginne, dann aber den Blickwinkel erweitere um einen historischen und "gut lesbaren" Einblick in die "Geschichte der Widerstandskämpfer und ihrer Familien" und "das Schwiegen über den Widerstand und seine Protagonisten" im Nachkriegsdeutschland zu liefern, um zuletzt zu einer Art Porträtgalerie überzugehen. Dazu, erklärt die Rezensentin, hat die Autorin andere "Enkel des 20. Juli" gesucht, und diese um einen Beitrag zu ihren "Heldengroßvätern" gebeten. Zwar findet die Rezensentin nicht alle Porträts "gelungen" (zumal wenn sich der Enkel zu sehr in den Vordergrund rückt), aber einige, darunter das Porträt des Volkswirts Jens Peter Jessen aus der Feder von Enkel und ZEIT-Feuilletonchef Jens Jessen, haben es der Rezensentin angetan. "Als Ganzes", so Steinbauer lobendes Fazit, bleibt von Aretins Buch auf jeden Fall "empfehlenswert", weil sie es versteht, aus "in mühevoller Kleinarbeit" zusammengetragener Historie "spannenden Lesestoff" zu machen, und weil sie die "umstrittene Nachkriegsdebatte über die 'Verräter' oder 'Helden' des 20. Juli" neu aufrollt.
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