Der rasante Aufstieg der Schas-Partei zur drittstärksten Kraft ist eine der wichtigsten Entwicklungen im politischen System Israels während der letzten beiden Dekaden. Die Erfolgsgeschichte der ehemaligen ultra-orthodoxen Splitterpartei fand ihren vorläufigen Höhepunkt in den israelischen Parlamentswahlen 1999, als sie 13% der Stimmen gewann. Schas (Akronym für Sephardische Torawächter) ist nicht nur die stärkste religiöse Partei in der Geschichte Israels, sondern auch die erste Partei auf ethnischer Basis, die sich fest im israelischen Parteiensystem etablieren konnte. Die Wähler von Schas sind überwiegend orientalische Juden der Unterschicht, die in den ökonomisch schwachen Entwicklungsstädten und den Armenvierteln der Großstädte leben. Das vorliegende Buch analysiert die historische Entstehung dieses Milieus, seine Mobilisierung durch die Verbindung von traditioneller Authentizität und fundamentalistischer Observanz, das Verhältnis zum Zionismus und das dichte Netzwerk von Lehr- und Erziehungsinstitutionen.
Sie verzeichnet nur 141 Mitglieder, aber konnte 430.000 Wählerstimmen auf sich vereinigen - mit diesen überraschenden Zahlen verweist Christian Bala auf ein Buch über die israelische Schas-Partei, die in letzter Zeit öfter als Mehrheitsbeschaffer verschiedener Regierungen von sich reden machte. Die Schas-Partei ist "mehr als eine gewöhnliche Partei", meint Bala, sie repräsentiert die Misrachim, die orientalischen Juden, die in Israel sowohl ökonomisch wie kulturell von den Juden europäischer Herkunft diskriminiert würden. Ihr Religionsverständnis sei traditionalistisch und schließe eine Lücke zwischen der weltlichen Mehrheit und den Ultraorthodoxen europäischen Ursprungs. Die Studie Neugarts findet Bala um so verdienstvoller, als sie nicht die üblichen Klischees von religiösen Juden reproduziere, sondern eine Partei vorstelle, wie er in der "Verknüpfung von Politik und Religion" für den Nahen Osten typisch sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2001
Alexandra Senfft bemüht sich in ihrer eingehenden und kenntnisreichen Kritik, die Inhalte und die Entwicklung der Schas-Partei möglichst detailliert darzustellen. Sie preist die Studie des Autors als "bemerkenswerte Analyse" und begrüßt, dass sich endlich ein Wissenschaftler dieses bisher vernachlässigten Themas angenommen hat. Allerdings wird in ihrer Rezension nicht immer klar, ob sie sich auf das Buch oder auf eigene Kenntnisse bezieht, und an keiner Stelle beurteilt sie konkrete Äußerungen des Autors. Und so kann man nur davon ausgehen, dass die Rezensentin mit den Ansichten Neugarts in allen Punkten einig ist.
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