Ferdinand Beneke

Ferdinand Beneke: Die Tagebücher I

1792-1801
Cover: Ferdinand Beneke: Die Tagebücher I
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835308787
Gebunden, 2672 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Frank Hatje und Ariane Smith, Juliane Bremer, Frank Eisermann, Angela Schwarz, Birgit Steinke und Anne-Kristin Voggenreiter. Die Beneke-Tagebücher gehören zu den umfassendsten und fesselndsten Dokumenten zur Kultur und Lebenswelt des Bürgertums zwischen Französischer Revolution und Vormärz. Ferdinand Beneke führte von 1792 bis 1848 täglich und detailreich Tagebuch, registrierte politische Ereignisse, reflektierte Zeitströmungen, rezipierte die aktuelle Literatur und beschrieb Alltag und gesellschaftliches Leben. Überdies fügte er seinen Tagebüchern unzählige Beilagen, Briefwechsel und Manuskripte hinzu. Das bislang unveröffentlichte Corpus wird vollständig kritisch ediert und in vier Abteilungen mit je einem umfangreichen Einleitungsband herausgegeben. Die erste Abteilung umfasst die Jahre 1792 bis 1801, Benekes Studium in Halle und Göttingen, seine Anstellung bei der preußischen Provinzialregierung in Minden und Etablierung in Hamburg vor dem Hintergrund einer politisch wie weltanschaulich unruhigen Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.06.2013

"Welch Glück!", jubiliert Cornelia Geißler angesichts der ersten drei der auf zwanzig Bände angelegten kommentierten Ausgabe der Tagebücher Ferdinand Benekes. Beneke, geboren 1774, war ein Hamburger Jurist und "Netzwerker sondergleichen", dessen größtes Verdienst in langjährigen akribischen Aufzeichnung bestand, die die Epoche zwischen Französischer Revolution und jener von 1848 aus bürgerlicher Perspektive dokumentieren, fasst die Rezensentin begeistert zusammen. Neben der zeitgeschichtlichen Dimension gewähren die Tagebücher aber auch Einblick in die berufliche Existenz Benekes, in sein soziales Engagement und seine amourösen Verstrickungen und Schwärmereien, so Geißler. Abgerundet wird die Ausgabe durch einen 500-seitigen Kommentarband mit biografischen Informationen und Namensregister, alles in allem "ein unglaublich reiches Kompendium" für Wissenschaftler und den allgemein interessierten Leser gleichermaßen, schwärmt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2013

Begeistert zeigt sich Gustav Seibt von den ersten vier Bänden der Edition der Tagebücher von Ferdinand Beneke. Ferdinand wer? Ein Hamburger Bürger, der seit seinem 18. Lebensjahr nahezu täglich Buch führte, von 1792 an, und für Seibt damit ein ausführliches, mit Exzerpten, Briefen und Zeichnungen illustriertes Archiv seines Lebens schuf. Mehr noch: Als wachem, sensiblem Zeitgenossen, Leser und Normalmenschen seiner Zeit gelingt dem Autor in seinem Diarium laut Seibt die Spiegelung der beiden Hauptereignisse der Epoche: der Französischen Revolution und der deutschen Klassik, sozusagen aus alltäglicher Perspektive. Für Seibt einzigartig. Diese erste Lieferung jedenfalls scheint ihm Biografie, Sozial- und Kulturgeschichte in einem zu bieten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2012

Peter Rawert kanns nicht fassen: 7000 Seiten Nachrichten aus der Aufbruchszeit des deutschen Bürgertums in die Moderne. Wer bloß war dieser Ferdinand Beneke, dessen enzyklopädisches Tagebuchwerk aus der Zeit zwischen 1792 und 1848 sich die "Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur" zur Herausgabe vorgenommen hat? Ein großer Netzwerker jedenfalls, das bestätigt Rawert ein 100-seitiges Register, und ein Pedant der Wetterbeobachtung und der Abkürzungen. Noch viel mehr jedoch steckt in der ersten Tranche dieses editorischen Mammutunternehmens. Rawert liest die Bände von vorn nach hinten und zurück und entdeckt Aufschlussreiches: Verfassungsrealität, Revolution, Kirche, Soziales, Bildung, Theater, Literatur, Geheimgesellschaften, Zeitschriften, kurz: ein Panorama des Bürgertums im Aufbruch. Darüber freut sich der Historiker in Rawert, und der Bücherfreund jubelt angesichts der vielen Faksimiles.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.09.2012

Beneke lesen ist wie Proust lesen - manchmal langweilig, voller Details, die nur noch Historiker interessieren mögen, aber dennoch packt es einen, versinkt man in dieser Welt des deutschen Bürgertums, die der Hamburger Jurist Ferdinand Beneke von 1792 bis 1848 in seinem Tagebuch zeichnete, verspricht ein gänzlich hingerissener Rezensent Benedikt Erenz. Es hilft gewiss, dass der Mann ihm sympathisch ist: Beneke war ein Anhänger der Französischen Revolution und Zeit seines Lebens Demokrat. Als Jurist kam er mit vielen Gesellschaftsschichten in Berührung, Erenz zählt einige auf: das junge jüdische Bürgertum, das Großbürgertum um den Kaufmann Sieveking, die Börsenspekulanten ebenso wie die ganz Armen. Beneke ist überall dabei, eifrig netzwerkend (früher sagte man dazu "Connexionen" aufbauend), mithandelnd, mitdiskutierend und immer voller Verehrung für eine Frau. Für Erenz erzählen diese ersten vier Tagebücher (und ein Erklärungsband von Frank Hatje) der auf insgesamt ca. 20 Bände angelegten Edition eine vollständige Geschichte des deutschen Bürgertums, mit allen Aufs und Abs.

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