Fernando Pessoa

Er selbst. Poesia

Poesia - Poesie. Portugiesisch - Deutsch
Cover: Er selbst. Poesia
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783100101327
Gebunden, 335 Seiten, 26,99 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel. Fernando Pessoa hat zeitlebens Gedichte mit seinem eigenen Namen gezeichnet, er stellte sich selbst in sein System der Vielfalt und festigte so seine Maxime, "nicht nur ein einziger Dichter" zu sein. Im Konzert seiner Heteronyme Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos ist der orthonyme, der eigentliche Pessoa eine bereichernde Stimme.
Diese in ihrer Vielfalt und Schönheit erstmals auf Deutsch zu zeigen, unternimmt die Auswahl von Inés Koebel. Überraschend ist das Wechselspiel zwischen sehr persönlichen, gelegentlich auch nüchternen Gedichten, dann aber auch den humorvollen und kritischen, ja grotesken politischen Versen, die den in seiner Zeit Lebenden als aufmerksamen Beobachter ausweisen. Von 1911 datiert der erste Text, der letzte, 11 Tage vor seinem Tod geschrieben, von 1935.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2014

Ganz und gar nicht überzeugt ist Eberhard Geisler von der Übersetzung dieser Gedichte von Fernando Pessoa durch Inés Koebel. Indem die Übersetzerin auf die Wiedergabe des Reims verzichtet, vor allem aber indem sie glaubt, durch ein Maximum an Textnähe Texttreue errreichen zu können, wird sie den Gedichten laut Geissler nicht gerecht. Geisler vermisst hier schmerzlich den Mut, mit der eigenen Sprache nach dem ursprünglichen Sinn zu suchen. Bei Pessoa aber wäre das bitter nötig, meint er und bringt eine Reihe von Beispielen, in denen Koebel das Original nicht erreicht oder sie falsche Assoziationen weckt. Da lobt sich der Rezensent die alte Übertragung von Georg Rudolf Lind.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2014

Das jüngste Buch des großen Unbekannten der portugiesischen Literatur birgt für den Rezensenten Peter Hamm Enttäuschungen. Zum einen kennt Hamm viele der von Ines Koebel ausgewählten und übertragenen Gedichte Fernando Pessoas bereits aus Nachlassveröffentlichungen. Zum anderen hält er Koebels Übersetzungen für wenig klangvoll und geschmeidig. Jedenfalls im Vergleich zu den Übertragungen von Georg Rudolf Lind. Davon abgesehen aber macht der Rezensent in der Auswahl durchaus die ein oder andere Entdeckung, so Pessoas Salazar-Spott von 1934/35 oder, für Hamm eine echte Überraschung, das Gedicht "Un soir a Lima". Darin begegnet ihm der Autor ganz unverstellt als verlassenes Kind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.07.2014

Arno Widmann erheitert die Vorstellung, welches Vergnügen Fernando Pessoas beim Verfassen einiger Zeilen verspürt haben dürfte, deren Witz in der Übersetzung verloren zu gehen droht: "Es ist tiefe Nacht, auf der Straße die Schritte zweier Personen" - auf Portugiesisch sind diese Schritte die "passos de duas pessoas", verrät der Rezensent, zweier Pessoas also, was angesichts der Vorliebe des Autors, mit Heteronymen, Identitäten und Masken zu spielen, nicht ganz nebensächlich ist, wie Widmann betont. Wenn man den heutigen Schreibschulen glauben will, begeht Pessoa hier "das allergrößte Verbrechen", so der Rezensent, "er denkt nicht an den Leser", schreibt für sich, macht sich als Leser seiner eigene Freude. Genau diese Freude am eigenen Text, der heimliche Spaß, ist es doch, was das Schreiben antreibt, meint Widmann.
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