Florian Klenk

Früher war hier das Ende der Welt

Reportagen
Cover: Früher war hier das Ende der Welt
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2011
ISBN 9783552055285
Gebunden, 172 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

General Terekov steht an der Schranke des Lagers Pavshino, fünf Autostunden von Wien entfernt, im Ländereck der Slowakei, Ungarn und der Ukraine und beobachtet für 150 Euro im Monat seine Schützlinge. Auf einem stacheldrahtumzäunten Feld spielen Inder gegen Pakistani Kricket. Seit der Ausweitung der Schengengrenze 2007 ist es ein Auffanglager für jene, die bei dem Versuch, illegal in den EU-Raum zu gelangen, geschnappt wurden. Florian Klenk berichtet, lakonisch und immer hart am Thema, von Kriegsflüchtlingen, internationalem Mädchenhandel oder von den Methoden verdeckter Drogenermittler. Seine investigativen Reportagen gehen an die Grenze des Vorstellbaren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.11.2011

Karl-Markus Gauß würdigt den Investigativreporter Florian Klenk als herausragende österreichische "Institution", der in seinen wöchentlichen Reportagen für den Wiener "Falter" in seinen Augen nichts weniger als ein Bollwerk der "demokratischen Gesellschaft" darstellt. Dreizehn seiner wichtigsten Reportagen sind nun in diesem Band versammelt und der Rezensent ist ziemlich erschüttert ob der Beispiele menschenverachtenden Verhaltens von Staatsorganen oder Presse, die der Autor hier aufdeckt. Dabei bringt Klenk seine Berichte vom Umgang mit illegalen Einwanderern oder der Erschießung eines 14-jährigen Einbrechers in vermeintlicher Notwehr durch einen Polizisten in gemessenem Ton wenn auch nicht unberührt vor, stellt Gauß eingenommen fest. Dass sich der Autor dabei auch noch stilsicher zeigt und es sich verkneift, seine Leser explizit auf die Moral seiner unglaublichen Enthüllungen zu stoßen, lobt der Rezensent besonders.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2011

Fast wünschte sich Georg Renöckl, dass Florian Klenk in seinen Reportagen für den Wiener "Falter", die jetzt gesammelt vorliegen, die Wirklichkeit drastisch überzeichnet hat. Aber er muss davon ausgehen, dass die Beobachtungen, die der Autor - dem Ruf nach ein "exzellenter Enthüllungsjournalist - in seinen Reportagen über den ehemals durch den Eisernen Vorhang abgeschirmten Grenzbereich in Österreich, ziemlich realistisch sind. Was der Rezensent über ehemalige Grenzdörfer, die sich nach dem Ende der Sowjetunion zu Bordellen wandeln, oder den Umgang mit illegalen Einwanderern erfährt, findet er dann auch ziemlich aufrüttelnd. Dass sich dieser Band dennoch kurzweilig liest, liegt am lakonischen und manchmal richtig komischen Ton, den der Autor anschlägt. Und das tröstet Renöckl auch darüber hinweg, dass die Texte mitunter doch recht knapp gestrickt sind, was er ihrem Zweck als "Falter"-Reportagen geschuldet sieht.

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…