Aus dem kanadischen Englisch von Lilian-Astrid Geese. Es war ein Foto, das um die Welt ging und die Menschheit erschütterte: das Bild eines kleinen Jungen, der tot an einem Strand der türkischen Küste lag. Der Name des Kindes ist Alan Kurdi. Sein Schicksal und das seiner Familie wurden zum Symbol für die verzweifelte Notlage von Millionen von Flüchtlingen, die vor dem Krieg in Syrien flohen und in Europa eine sichere Zukunft erhofften. Die Memoiren von Alans Tante Tima Kurdi sind ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rechte der Flüchtlinge. Sie schildern ein Schicksal, das für alle steht und die gesamte Menschheit betrifft.
Rezensentin Shirin Sojitrawalla liest Tima Kurdis Bericht über ihre eigene Migration und die schauderhafte Flucht ihres Bruders aus Syrien, bei der sein Sohn Alan Kurdi ums Leben kam, als Weckruf. Plötzlich erhalten die vielen namenlosen Flüchtlinge aus der Presse ein Gesicht, staunt sie. So persönlich und intim ist das mit Familienfotos angereicherte Buch, meint sie, so erschütternd ist das geschilderte Leid der Kriegsflüchtlinge. Dass die Lektüre auch spannend ist, verhehlt die Rezensentin nicht.
Rezensentin Birgit Morgenrath überzeugt Tima Kurdis Bericht über das Schicksal ihres Bruders, der vor dem Bürgerkrieg in Syrien über die Türkei bis nach Griechenland geflohen ist und dabei Frau und Kinder verlor, durch eine einfache Sprache und Aufrichtigkeit. Die Schilderung der Familienodyssee, des Elends in den Lagern, der Händel mit Schleppern und des Todes auf dem Meer, den die Autorin aus dem kanadischen Exil mitverfolgte, findet Morgenrath quälend und aufrüttelnd. Die Ernüchterung der Autorin über die internationale Flüchtlingspolitik kann die Rezensentin gut verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.10.2020
Rezensent Carsten Hueck ist berührt von der Geschichte, die Tima Kurdi in ihrem Buch erzählt: Es ist die von Alan Kurdi, 2015 tot an den Strand der Türkei gespült, dessen Foto um die Welt ging. Die Autorin, Alans Tante und hauptberuflich Friseuse, habe dabei keinen schriftstellerischen Anspruch, so Hueck, sondern erzähle "schlicht" und ohne Pathos von der Trauer ihres Bruders um seinen Sohn, der Heimat und Flucht der Familie und von ihren eigenen Schuldgefühlen - sie lieh ihrem Bruder damals das Geld für die tödliche Überfahrt. Ein berührendes und "bestürzendes" Buch, das einer auf Statistiken reduzierten Menschengruppe beispielhaft "ein Gesicht zurückgibt", lobt der Rezensent.
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