Regen Wenn der Regen Ans Fenster klopft Und die Welt darin Verschwindet Als würde er alles Feste Auflösen Ist es schön, unter das Bett Zu kriechen und so zu tun Als regnete es auch im Zimmer Nicht mehr reden Dem Wort traut das Kind nicht mehr Es scheint ihm, in jedem stecke eine Lüge Ein leeres Versprechen Haus ist nicht wirkliches Haus Haut ist nicht wirkliche Haut Mit dem Löwen beschloss das Kind Nicht mehr zu reden Da nützte keine Anfrage, keine Bitte Nicht einmal die Mutter Die sich als Gazelle verkleidete
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2019
Klaus Hübner gefallen Francesco Micielis "Kindergedichte", die zwar auch für Kinder, aber in erster Linie Gedichte über Kinder für Erwachsene sind, so der Rezensent. Der schweizerische Autor mit italienischen und albanischen Wurzeln kennt die großen Dichter des 20. Jahrhunderts, so viel ist sicher, meint der Kritiker. Und mehr noch: Laut Hübner gelinge ihm nicht zuletzt durch seine sprachliche Versiertheit eine Balance zwischen Spiel und Ernst, indem er "großen Fragen" (Warum bleibt nicht alles so wie es ist? Wer ist Gott? Gibt es Wunder?) mit einer kindlichen Perspektive begegnet und sie an "kleine" Alltagssituationen bindet. Vielleicht könnte die Lektüre erwachsenen Menschen dabei helfen, "das Staunen neu zu lernen", schließt Hübner.
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