"Wir müssen diese Bilder aushalten", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im November 2021 angesichts frierender Geflüchteter an der Grenze zwischen Polen und Belarus. Seine Worte machen deutlich, was oft in Vergessenheit gerät: Grenzen sind nicht nur Hindernisse für Menschen, die sie von außerhalb überwinden wollen. Sie verändern auch die Gesellschaften, die sich abzuschotten versuchen. Volker M. Heins und Frank Wolff zeigen, welche Wirkung Mauern und die Abwehr von Migration "nach innen" entfalten: Das Drängen der EU auf "sichere Außengrenzen" untergräbt das europäische Versprechen auf Frieden und Rechtsstaatlichkeit. Letztendlich gefährden befestigte Grenzen gerade jene demokratischen Werte und Strukturen, die sie zu schützen vorgeben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2023
Laut Rezensent Cord Aschenbrenner richten Volker H. Meins und Frank Wolff in ihrer Arbeit über die Gegenwart der europäischen Grenzpolitik den Blick nicht nach außen, sondern nach innen. Primär gehe es dem Politikwissenschaftler Heins und dem Historiker Wolff nämlich nicht um die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer oder deren Lebensbedingungen in den Herkunftsländern, sondern um die Auswirkungen der dominierenden Abschottungspolitik für die europäischen Gesellschaften. Die Autoren zeigen auf, so Aschenbrenner, dass eine Politik der kategorisch geschlossenen Grenzen auch im Inneren verheerende Auswirkungen hat, insbesondere für die demokratische Kultur. Der Rezensent schließt sich der Auffassung der Autoren an, dass Versuche, das Eigene wie einen Garten zu hüten und in allem Fremden automatisch Schädliches zu sehen, Verrohung nach sich ziehen muss. Dem Fazit von Meins und Wolff, dass stattdessen ein demokratisch legitimiertes Grenzregime angezeigt sei, an dem auch zivilgesellschaftliche Akteure beteiligen sollten, schließt sich Aschenbrenner ohne Einschränkung an.
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