Der alliierte Bombenkrieg richtete sich entgegen Jörg Friedrichs Behauptung nicht bloß gegen die deutsche Zivilbevölkerung, sondern verfolgte durchaus strategische Ziele. Wie Unternehmen, Wehrmacht und SS auf die Angriffe gegen die Treibstoffindustrie, die Achillesferse der deutschen Kriegswirtschaft, reagierten, beleuchten die Berliner Historiker Tobias Bütow und Franka Bindernagel exemplarisch in ihrer Arbeit über das Magdeburger Werk der Braunkohle-Benzin AG (Brabag). Das Berliner Unternehmen gehörte zu den größten deutschen Treibstoffproduzenten. Als Sprecher des "Freundeskreises Heinrich Himmler" verfügte der Brabag-Vorstandssprecher Fritz Kranefuß über die entsprechenden Kontakte, um die nach den Luftangriffen im Frühjahr 1944 zerstörten Werke in Mitteldeutschland von Konzentrationslagerhäftlingen kurzfristig wieder aufbauen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2004
Jens Bisky zeigt sich höchst beeindruckt von dem, was die beiden jungen Historiker Tobias Bütow und Franka Bindernagel aus einem Thema gemacht haben, an dessen Anfang schlicht "lokalhistorische Neugier" gestanden haben mag. Sie erzählen vom alltäglichen Leiden der Zwangsarbeiter, vom Alltag der Wachmannschaften und der Bevölkerung Magdeburgs, der nichts verborgen blieb, die aber mit ihren eigenen Sorgen so beschäftig schien, dass sie der Unmenschlichkeit nichts entgegengesetzt habe. Besonders wichtig ist dem Rezensenten, dass die Autoren anhand des Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald in Magdeburg zu zeigen imstande sind, dass die Kriegswirtschaft, das KZ-System und die Bombenopfer nicht, wie es in "erregten zeithistorischen Debatten" häufig den Eindruck mache, parallele, voneinander losgelöste Aspekte innerhalb eines Landes und einer Epoche gewesen seien, sondern dass diese in einem direkten, realen Zusammenhang standen.
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