Franz Fühmann, Jacky Gleich

Anna, genannt Humpelhexe

(Ab 6 Jahre)
Cover: Anna, genannt Humpelhexe
Hinstorff Verlag, Rostock 2002
ISBN 9783356009385
Gebunden, 48 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Peter Härtling. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen und vier Porträtzeichnungen von Nora Gleich. Anna humpelt. Ihr linkes Bein ist länger als das andere. Die Kinder verspotten sie. Hexenkinder. Denn Anna ist eine Hexe unter Hexen, besucht eine Hexenschule, hat Hexenlehrer und eine berühmte Hexenmutter, Rapunzel mit Namen. Die sagt, Anna solle zum Doktor gehen, sich das eine Bein ein wenig kürzer hobeln lassen. Doch Anna will nichts abgeben von ihrem Bein, auch wenn diese "Gleichbeiner" weiter über sie spotten. Und erst recht den Kopf schütteln, als Anna zum Siebenmeilenstiefelwettlauf antritt ... Märchen auf Bestellung, so hieß ein schmales Bändchen, in dem Franz Fühmann Texte, die er für Kinder erdacht hatte, kurz vor seinem Tod zusammenfasste. Darunter jenes Märchen von der Hexe Anna, die ihren vermeintlich behinderten Körper zu nutzen versteht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2002

Die Geschichte um die Junghexe Anna, die mit ihren verschieden langen Beinen das Ende der Welt sehen will, ist nicht neu. Das Buch des 1984 gestorbenen DDR-Schriftstellers Franz Fühmann ist 1981 schon einmal erschienen, lässt uns Rezensent Siggi Seuss wissen. Nun kommt es - mit Illustrationen von Jacky Gleich und einem "etwas bemühten" (weil Betrachtungen über die DDR-Zensur einschließenden) Nachwort von Peter Härtling - nochmals heraus. Den niedlichen Plot findet Seuss "geschickt konstruiert" und auch "treffend formuliert", aber alles in allem doch ein wenig "zu belehrsam". Die Motive aus der Geologie allerdings, die gar nicht zusammen zu passen scheinen, sich aber zu einem faszinierenden Bild fügen (Wald, Wiese, freies Feld, Gletschergebirge, Ozean), machen das Buch laut Seuss durchaus lohnend für kleine Kindergemüter, und nicht zuletzt die bemitleidenswerte, aber resolute Figur Anna, die aus ihrem Schicksal das Beste zu machen versucht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.07.2002

Evelyn Finger ist ganz aus dem Häuschen anlässlich dieser Neuausgabe von Franz Fühmanns Kindermärchen, die schon in Vergessenheit zu geraten drohten. Und zwar zu unrecht, wie die Rezensentin findet. Denn Fühmann habe "neben eindrucksvollen Erzählungen die wohl schönsten Nachdichtungen klassischer Texte für Kinder" geschrieben. Das selbst erfundene Märchen "Anna, die Humpelhexe" nun beschreibt Evelyn Finger als eine Mischung aus Schulschwänzergeschichte, Zaubermärchen und Verkehrte-Welt-Scherz, dessen Reiz vor allem der Mut ausmache, sich dunklen und wenig anheimelnden Kräften zu stellen, gebändigt von einer feinen Lakonie und beflügelt von einer heftigen Imaginationsfreude. Besonders lobend hebt die Rezensentin jedoch die "grandiosen" Illustrationen von Jacky Gleich hervor, der mit "kühnen Strichen und grotesken Motiven" die "gefährlich-komische Tendenz des Märchens" akzentuiere.
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