Zum Jahrestag des Mauerfalls: Ein Nachruf auf Ulbrichts und Honeckers Deutschland. Es war einmal ein zweiter deutscher Staat, der vor zwanzig Jahren in seine finale Krise geriet. Dann fiel die Mauer über Nacht, doch die plötzliche Freiheit hinterließ gespaltene Erinnerungen. Zeit für eine Bestandsaufnahme. Was im Herbst 1989 zu Ende ging, begann für viele als heroischer Aufbruch in irritierten Zeiten. Doch der hatte seine eigenen Irritationen. Johannes R. Becher verfolgte schon in den Anfangsjahren der Albtraum eines Turms von Babel, der plötzlich im Sturz zu nichts zerfällt. Franz Fühmann beklagte die Verführung des DDR-Antifaschismus zu ausgelöschtem Willen, zu freiwilliger Unterwerfung unter die Diktatur. Die DDR war nur als ein gewaltsamer Traumtanz möglich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2009
Unter der Voraussetzung, dass der Leser wichtige, in diesem Band jedoch nur "oberflächlich" behandelte Aspekte, wie staatliche Repression, Militarisierung der Gesellschaft u. ä. bei der Lektüre mitdenkt, geht Rolf Hosfelds Buch für Gunter Holzweißig als mutiger, "leicht lesbarer" Versuch einer politischen (Literatur-)Geschichte der DDR durch. Die Sekundär- und Memoirenliteratur von Systemkritikern, wie Christa Wolf, Erich Loest, Brecht, Fühmann u. a., aber auch von eher "in sich widersprüchlichen" Autoren (Becher, Hermlin, Kant) zu durchforsten und einmal nicht die Archive, findet Holzweißig sinnvoll. Nicht so gut gefallen hat ihm der Umstand, dass der Autor keine Fundstellen zu den Zitaten angibt. Außerdem erscheint ihm manche Wertung zumindest fragwürdig, etwa Hosfelds "unkritischer" Umgang mit Günter Gaus' Begriff der "Nischen-Gesellschaft".
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