Klingsor, Pferdedieb oder besser: Pferdehändler aus Siebenbürgen, begibt sich nach Thüringen auf die Wartburg, um an einem Sängerstreit teilzunehmen. Er gerät in eine ganz fremde Welt: Der Sängerstreit hat längst stattgefunden, vor einem Jahr oder vor langer Zeit oder niemals. Wachen, Ritter, Artisten, ein Tanzbär, Zöllner, Gefangene bevölkern die Burg, auf der eigenartige Gesetze herrschen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2000
Eine Rezension, die Rätsel aufgibt. Bewundernd? Höhnisch? Oder nur drumherumgeschrieben? Zunächst einmal füttert uns Rezensent Werner Wunderlich mit verwirrenden Daten zu den verschiedenen mittelalterlichen Vorlagen und Darstellungen der Klingsor-Figur, die als ein auf den Hund gekommener Liedermacher der Moderne bei Hodjak auftaucht und durch die Gegend streift. Dabei gerät der betagte Protagonist auf eine Burg, wo sich vielerlei literarische Gestalten herumtreiben und sich dem "mäandrierenden Erzählfluss" des rumäniendeutschen Autors mit einem Sinn für ausgesprochen skurrilen Humor hingeben. Literarischer Slapstick und zugleich schnörkellose Prosa, können wir der Rezension entnehmen, die wie der Autor alles durcheinander wirbelt, um dem Leser die Klarsicht - mit Vergnügen? - zu trüben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2000
Christoph Bartmann kann sich einer gewissen Faszination nicht entziehen, denn es gibt "mächtige Einfälle" in dem Roman und man ist "streckenweise beeindruckt". Die Handlung dagegen findet er nicht überzeugend. Es entstehe kein "Sog", der den Leser in das Buch hineinziehe. So fand er die die Lektüre etwas mühsam: man liest es nicht wirklich gern. In drastischer Sprache und eindrucksvollen Bildern werde der Leser mit blühendem Unsinn überrascht, der zwar unterhaltend sei, doch fragt sich der Rezensent am Schluss seiner Kritik etwas ratlos, was der "Sinn und was der Unsinn hinter all dem Mummenschanz" sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2000
Samuel Moser preist das Abgründige in Hodjaks Roman, die Figurenkonstellation findet er schlechterdings genial. Das groteske Geschehen voll "zynischen Humors" löse sich nicht in Heiterkeit auf, sondern bewahre seine finstere Seite. Hervorhebenswert ist Moser die politische Dimension des Romans. Er nimmt an, dass Hodjak als deutschstämmiger Rumäne tiefere Einsichten in die Funktionsweise diktatorischer Befehlshaber "von Nero bis Ceausescu" habe als manch anderer und diese in seinem Text fruchtbar verwertet hat. Eine "verstörende Erfahrung" war die Lektüre dieses Romans für den Rezensenten.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…