Die Ausgabe enthält den kompletten Text der Erstausgabe sowie unveröffentlichte Teile
aus dem Nachlass.
Immer wieder ist Fritz Alexander Kauffmanns (1891-1945) "Leonhard" mit Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" verglichen worden. In beiden Werken wird mit einer seismographischen Präzision der dichterischen Sprache von einer inzwischen untergegangenen Welt an der Wende zum 20. Jahrhundert erzählt. Thematisch steht der "Leonhard" allerdings Walter Benjamins Chronik "Berliner Kindheit um 1900" näher.
In der posthum erschienenen Buchausgabe des "Leonhard" von 1956 bricht Kauffmanns Kindheitsgeschichte abrupt im 12. Lebensjahr ab. In seinem Nachlass hat sich jedoch eine Manuskriptfassung des Schlussteils erhalten, die sein Enkel Kai Kauffmann in dieser neuen Edition erstmals veröffentlicht. Mit diesem Schlussteil erschließt sich nun die gesamte Konstruktion der autobiographischen Erzählung und das ihr zugrundeliegende Programm einer "ästhetischen Selbsterziehung". In seinem Nachwort führt Kai Kauffmann in Leben und Werk des Autors ein, der ein begeisterter Reformpädagoge und Kunsterzieher war und erst nach seiner Zwangspensionierung durch die Nazis zum Schriftsteller wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2018
Für Stephan Speicher ist die Neuausgabe von Fritz Alexander Kauffmanns Familienroman ein Geschenk. Speicher hat die Hoffnung, dass das Buch damit doch noch über den ewigen Geheimtipp hinausgelangt, auch wenn Kauffmann kein Proust ist. Kauffmanns Beschreibungskunst steht für Speicher allerdings außer Frage, wenn der Autor seinen Erzähler die Kindheit erinnern lässt. Ähnlich wie bei Proust ist Anschauung für Speicher das zentrale Thema im Buch, die materielle Welt. Die in den Band aufgenommene bisher ungedruckte Fortsetzung des Buches fällt gegen den ausgearbeiteten Teil ab, erklärt Speicher.
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