Aus dem Englischen von Gerd Haffmans. Romane handeln gewöhnlich von innen oder außen, von Psychologie oder von Soziologie - oder von einer Mischung von beidem. Der Roman "Jetzt" ist an der Grenze dieser beiden Sphären angesiedelt, im Niemandsland der Sprache und des Dialogs, denn die Sprache gehört niemandem, sie besteht aus Gemeinplätzen.
Klaus Modick lobt an diesem Roman besonders, dass in ihm "nicht erzählt, sondern gesprochen - genauer gesagt: geredet" wird, dass er sich leicht liest und trotzdem ein latentes, schwer zu fassendes Unbehagen auslöst, dass er gleichzeitig traurig und komisch ist. Das liegt seiner Ansicht nach nicht zuletzt an der hervorragenden Übersetzung aus dem Englischen, die Verleger Gerd Haffmann selbst übernommen hat und die auch auf deutsche Verhältnisse übertragen funktioniert. Gabriel Josipovicis Roman "Jetzt" lasse den Leser teilhaben an Fragmenten von Gesprächen zwischen Mitgliedern einer jüdischen Intellektuellenfamilie, die zwischen all dem Small Talk eine deprimierende, "marode Familienstruktur" offenlegt. An dieser Struktur wird aufgehängt, was Modick als die "Kraftfelder" des Romans beschreibt - eine "vage Orientierungslosigkeit [?] und ein diffuses Mangelgefühl innerhalb eines saturierten Lebenszusammenhangs".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2000
"Jetzt" von Gabriel Josipovici, schreibt Peter Michalzik, sei "an der unübersichtlichen Front zwischen Sprachliebe und Sprachabneigung" entstanden: Der Roman des englischen Schriftstellers und Literaturprofessors besteht ausschließlich aus Dialogen, die naturgemäß banal klingen, da sie Alltägliches verhandeln. Würde dieses Drama aufgeführt, klänge es völlig banal, so wie im Alltag eben, lesend eröffneten sich aber neue Sichtweisen, Lesarten unseres Handelns, Strategien der Kommunikation und Nicht-Kommunikation, bis hin zur Sprachverweigerung. Der Rezensent zeigt sich erfreut von Josipovicis literarischer Technik, im Dialog den Spielraum der Sprache zwischen erstarrter Rede und beredter Suche auszuloten. Zur Übersetzung aus dem Englischen macht er leider keine Anmerkung.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…