Über dreißig Jahre hat sie als Haushälterin bei Father Mann in Derry gearbeitet. Über dreißig Jahre hat sie selbst zurückgesteckt, hat sich den rigiden Verhaltensregeln der katholischen Gemeinde gefügt, in der jede persönliche Freiheit im Keim erstickt wurde. Jetzt rechnet sie ab - ebenso liebenswürdig wie unerbittlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2000
Über den irischen Gegenwartsroman denkt Hansjörg Graf an Hand der folgenden zwei Bücher nach:
1) Kathleen Ferguson: "Die Haushälterin"
Die Ich-Erzählerin Brigid, die nach 33 Jahren als Haushälterin eines Pfarrers von der Kirche entlassen wird, liefert eine "Suada" der Abrechnung mit der Rolle der katholischen Kirche in Irland, so der Rezensent Hansjörg Graf. Zwischen den Zeilen ist in der "Rollenprosa" der 1958 in Derry, Nordirland geborenen Autorin auch eine irische "Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit" enthalten, schreibt Graf, und mutmaßt, dass der - ihn manchmal offensichtlich überwältigende - Sprachfluss des Romans wohl als "Symptom irischer Selbstdarstellung" gelten muss.
2) Joseph O`Connor: "Der Verkäufer"
Das Motto des 1963 in Dublin geborenen Autors ist "rückhaltlose Authentizität", was aber bei einem alkoholisierten Protagonisten auch heißt, "Erfundenes und Erfahrenes" kräftig zu mischen, meint Hansjörg Graf. Als Brief an die im Koma liegende Tochter begonnen wird der Roman zum Tagebuch des Erzählers; die Textstruktur erinnert Graf an ein Haus mit mehreren Etagen - Thriller, Horrorroman und Melodram -, zwischen denen ein ständiger Wechsel stattfindet. Am Ende steht allerdings eine Art überraschende "Familienidylle", die Graf fürchten lässt, dass die Generation der "Enddreissiger" bald die versöhnliche Rückkehr zu den "Vätern" (Yeats!) antritt.
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