Aus dem Französischen von Jürgen Schröder. Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning sind entscheidende Akteure in den zentralen Auseinandersetzungen unseres Internetzeitalters um Freiheit und Überwachung, Geheimdienste, Krieg und Terrorismus. Das Prinzip der Anonymität, wie es WikiLeaks, aber auch die Hackergruppe Anonymous praktizieren, und die Gesten der Flucht und des Exils von Snowden und Assange brechen mit den traditionellen Formen des zivilen Ungehorsams. Sie fordern uns dazu auf, die demokratische Öffentlichkeit und den politischen Raum neu zu denken: Was bedeutet es heute, politisch das Wort zu ergreifen, ein Bürger, ein Teil eines Kollektivs zu sein?
Sehr viel Platz nimmt sich Marie Schmidt, um ein Buch zu besprechen, an dessen intellektueller Schlagkraft sie offenbar mehr als zweifelt. Geoffroy de Lagasnerie schildert sie glaubhaft als groß tönenden, aber schlampig argumentierenden Jung-Intellektuellen, der in den Whistlebowern Edward Snowden, Chelsea Manning und Julian Assange Symbolfiguren einer neuen, indivdiduell agierenden Revolte erkennt. Lagasneries Idee eines Bruchs mit einem Staat, dessen Bürger man qua Geburt - also nicht freiwillig - geworden sei, nennt sie zugleich brandgefährlich und verführerisch. Mit Lagasneries schnarrend linksradikal vorgetragenen "Performance eines Engagements", die an die argumentative Präzision der Vorbilder Michel Foucaults oder Pierre Bourdieus nicht im entferntesten heranreiche, kann Marie Schmidt nichts anfangen - und dann doch wieder, denn sonst würde sie das Buch ja wohl nicht auf eine ganzen Zeit-Seite besprechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2016
Fridtjof Küchemann sieht Geoffrey de Lagasneries Einlassungen zur Revolutionskunst kritisch. Wenn der Autor feststellt, dass es nötig sei, theoretisch wie politisch radikal wie Assange, Snowden und Manning zu sein und nationale und staatsbürgerliche Grenzen zu überwinden, wirft Küchemann ein, dass gerade diese drei die Staatszugehörigkeit auch zu ihren Gunsten zu nutzen versuchen. Interessanter scheinen ihm de Lagasneries Überlegungen zum Paradox nichtdemokratischer Sphären, wie Geheimdiensten, innerhalb von Demokratien.
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