68, immer schon Gegenstand heftiger Kritik von "rechts", ist in den letzten Jahren zur Zielscheibe "linker" Kritik geworden. Die 68erInnen, so wird von einigen Historikern - darunter ehemalige Aktivisten der Bewegung - behauptet, seien allen Legenden zum Trotz in Wahrheit ihren Nazi-Eltern "schrecklich ähnlich" gewesen: in ihrem Denken, in ihrem Handeln und in ihrer verhängnisvollen Neigung zu politisch motivierter Gewalt.
Im Spannungsfeld solcher Anwürfe und Kontroversen führte die Autorin Gespräche mit beteiligten ZeitzeugInnen und InitiatorInnen der 68er-Bewegung. Sichtbar werden Kontinuitäten und Brüche im Selbstfindungsprozess einer politischen Generation, zu deren einschneidenden frühen Erlebnissen eine Kindheit im Krieg, die Trümmerlandschaften der Nachkriegszeit und die Konfrontation mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gehören.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2017
Schon der dreifache Titel dieses Gesprächsbands lässt Rezensent Stephan Wackwitz vermuten, dass sich Karin Wetterau verhoben hat. Heinz Bude und Sigmund Freud sind zwar offensichtlich die Gewährsmänner für die psychoanalytischen Tiefeninterviews, die Wetterau zur Protestbewegung von '68 geführt hat, doch erfährt der Kritiker hier nichts, was er nicht zuvor schon in Gerd Koenens Buch über das "Rote Jahrzehnt" oder Philipp Felschs Werk über den "Langen Sommer der Theorie" gelesen hätte. Vor allem nach der Lektüre der Schlussfolgerungen, die Wetterau nach dem ausgiebigen Gespräch mit Bernd Rabehl, der von der extremen Linken zur extremen Rechten wechselte, zieht, kann sich der Kritiker nur kopfschüttelnd fragen, wie man aus so viel interessantem Originalstoff so wenig Nennenswertes ziehen kann. Die Anwendung von Freuds "Familienroman des Neurotikers" hätte mehr Sinn gemacht als seine bloße Erwähnung, meint der Kritiker, dem immerhin die Aufmachung und die vielen Bilder in diesem Buch gut gefallen haben.
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