Herausgegeben von Gert und Gundel Mattenklott. "Der kleine Gast" führt uns ins geschäftig pulsierende Zentrum Berlins, einer Stadt, die wie alle großen Ungeheuer auch ihre Kinder frißt. Wir begleiten Hermanns Protagonisten Fritz Eisner ins Kaufhaus Wertheim, das als ein kleiner Kosmos des Sozialen erscheint, begeben uns auf literarisch wie architekturgeschichtlich aufregende Straßen- und Hochbahnfahrten, unternehmen Streifzüge durch Berlins Stadtteile und Umgebung, lernen das Berliner Mietshaus in seiner Entstehungszeit kennen. Und wir spüren die brüchiger werdenden Hoffnungen auf die Verheißungen von Liebe und Ehe. Alles verwebt sich zu einem Teppich, dessen tragische Schönheit vor den Katastrophen von zwei Weltkriegen und dem Verlust der so tief eingewobenen jüdischen Fäden vielleicht erst uns bewußt werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2000
Thomas Rietzschel bespricht zwei Romane aus der Werkausgabe Georg Hermanns: "Einen Sommer lang" und "Der kleine Gast". Anfangen kann er mit beiden nichts. Sie sind ihm zu nostalgisch in ihrem Rückblick auf die "gute alte Zeit", zu neckisch in ihren erotischen Anspielungen, zu bieder in ihrem Humor, kurz gesagt, er findet die Romane langweilig. Kühl konstatiert der Rezensent: "Auch das Vergessen kann dem Nachruhm dienlich sein".
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