Georg M. Oswald

Party Boy

Eine Karriere
Cover: Party Boy
Albrecht Knaus Verlag, München 1998
ISBN 9783813500981
Taschenbuch, 141 Seiten, 15,29 EUR

Klappentext

Der weltberühmte Modedesigner Versace wird in Miami erschossen. Als Täter wird ein junger Mann gesucht, von dem außer einigen Fotos, die ihn in ausgelassener Partystimmung zeigen, wenig bekannt ist. Angeblich ist dies der fünfte in einer Reihe von Morden, die er innerhalb weniger Wochen verübt haben soll. Es wird die Vermutung aufgestellt, der Mörder sei Andrew Cunanan, ein homosexueller Callboy aus San Diego, der sich bei einem seiner Kunden mit Aids infiziert habe und nun auf einem vernichtenden Rachefeldzug all diejenigen umbringe, die ihn angesteckt haben könnten. Aber wie passen dazu der - heterosexuelle - Friedhofswärter und der Modedesigner, dem er wahrscheinlich nie zuvor begegnet ist? Weltweit stürzen sich die Medien sofort auf diesen Fall. Ein undurchdringliches Gestrüpp von Behauptungen, Vermutungen, angestrengten Hypothesen und schlichten Lügen überzieht schon wenige Stunden nach dem Mord an Versace den Erdball. Wer ist der Mörder und warum? Dieser Roman ist ein fiktionaler Bericht, der sich aus den Stimmen derer zusammenfügt, die ganz nah dran waren, aber nicht dabei: Zeugen, Verwandten, Freunden, Journalisten. Ihr Gerede wird zur Story und tritt schließlich an die Stelle des Geschehenen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2000

Volker Weidermann hat - während dessen viertägigem (!) Jahresurlaub - ein Interview mit dem Anwalt und Schriftsteller Georg M. Oswald geführt. Auszüge daraus verbindet er in seinem Porträt des Autors als Moralisten mit der Besprechung seiner jüngsten Bücher:
1) "Alles was zählt"
Der Roman, so Weidermann, belege keineswegs Diedrich Diederichsens zuvor in der taz geäußerten Vorwurf, Oswald ziele in seinen Texten über bloße Affirmation des Beschriebenen nicht hinaus ("Sie irren sich, Herr Diederichsen"). Der "mitleidlose, präzise Bericht" über den Absturz des Bankangestellten Thomas Schwarz entlarve vielmehr ein Wirtschaftsmilieu, in dem die Anpassung so weit gehe, dass man die darwinistischen Regeln auch dann noch akzeptiere, wenn sie den eigenen Untergang bedeuten.
2) "Party Boy"
Dieser zum Teil aus Internetberichten zum Mord an Gianni Versace zusammengestellte Text befinde sich, behauptet Volker Weidermann, im moralischen Anspruch durchaus in der Tradition Heinrich Bölls. Gegen den frei mit den Fakten umgehenden Boulevardjournalisten insistiert hier ein "Moralist" auf den Tatsachen, die darin bestehen, dass man kaum etwas wissen kann. Trotz des Vergleichs mit Böll: bieder seien die Romane von Georg M. Oswald keinesfalls. Eher handle es sich um einen "Houellebecq aus Bayern".

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