Brautkleid bleibt Brautkleid, und Brotlaib bleibt Brotlaib... Gerhard Henschel führt vor, was an Zungenbrechern so faszinierend ist, dass man sie mit der Muttermilch einsaugt, auf dem Schulhof begeistert weitersagt und auch später im Biergarten immer wieder beglückt hervorkramt. Die deutsche Sprache hält in Ulm und um Ulm herum noch ganz andere und viel verwegenere Zungenbrecher bereit als den sattsam bekannten Fischersfritzen, einen Cottbusser Postkutschkasten oder fleißige Scheitspleißer. Gerhard Henschel hat die schönsten Exemplare zusammengetragen, nicht allein aus dem deutschen Sprachraum, sondern aus dem gesamten Abendland, dem Morgenland und sogar aus Weltregionen, die den Radarschirm vieler Liebhaber bislang unterflogen haben. Sein einzigartiger Zungenbrecher-Baedeker nimmt es an Komik mit Loriot und an literarischem Nonsens mit Ernst Jandl auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2012
Martin Maurach findet Zungenbrecher spannend, die Sammlung derselben in Gerhard Henschels Buch "Zungenbrecher" aber offensichtlich nicht. Henschel werfe einfach alles in einen Topf, was im Entferntesten zu seinem Thema passt. Aus 22 Sprachen habe der Autor die brechenden Wörter zusammengetragen und liefere für jedes auch gleich die deutsche Übersetzung mit. Für den Rezensenten reiche Henschels Aufwand aber gerade einmal für einen "langatmigen Partyjux". Der Autor antworte nicht einmal auf die Frage, was für einen Zungenbrecher vonnöten ist, beschwert sich Maurach und erklärt stattdessen selbst: gebraucht werden Konsonanten, die vorne und hinten im Mund gebildet werden. Diese müssen sich mit Vokalen abwechseln, die ihrerseits an den Zähnen und im Rachen entstehen. Der schnelle Wechsel bringe die "Zunge zum Tanzen". Henschels Buch zeuge zwar von Sammlerfleiß, sei ansonsten aber ziemlich trivial, urteilt Maurach.
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