Es ist der Morgen des 1. April, als etwas Ungeheures geschieht: Ein gelber Nebel zieht auf, der die Menschen buchstäblich in Luft auflöst. Aber nicht alle Menschen sind verschwunden, stellt Franz Lindner fest, der Erzähler dieses alle Grenzen sprengenden Romans. Er selbst hat als Patient einer Einrichtung für psychisch beeinträchtigte Künstlerinnen und Künstler die Katastrophe überlebt - wie auch die anderen Patienten, Ärzte und Besucher. So unfasslich das Ereignis ist, so konkret muss der Alltag jetzt organisiert werden. Eine Dorfgemeinschaft aus Bienenzüchtern entwickelt sich, und Franz Lindner wird ihr Chronist. Aber die neue Welt ist keine friedliche: Gewalt, Hass und Eifersucht sind nicht verschwunden, und auch die Natur scheint sich vom Menschen befreien zu wollen. Zwei Jahre begleiten wir "die Imker" durch eine Welt, in der Traum und Wirklichkeit nicht zu unterscheiden sind. Dann macht ein weiteres unerklärliches Ereignis der Geschichte ein überraschendes Ende.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2022
Rezensent Oliver Jungen empfiehlt diesen postum erschienenen Roman von Gerhard Roth als Einstiegsdroge in den Erzählkosmos des Autors. Sog entwickelt der Text laut Jungen durch einen gekonnten Stil, Tiefe und zugleich Zugänglichkeit. Worum geht es? Laut Rezensent um ein literarisches Gegenstück zu Foucaults Antipsychiatrie, in dem ein paar Psychotiker in der Postapokalypse eine Gesellschaft der Imker etablieren. Klingt verrückt? Stimmt, meint Jungen, doch wie Roth die Dystopie mit utopischen Zügen entwirft, surreal, poetisch, plastisch, mitreißend und voller Exkurse über Kunst, Biologie und Religion, findet der Rezensent stark. Ein "Blick hinter die Wirklichkeit", der sich lohnt, meint er.
Angela Gutzeit versteht Gerhard Roths dystopischen Roman als Schlussstein einer Lebensanstrengung. In das pessimistische Menschheitsbild des Autors fügt sich der Text um einige Insassen einer Nervenheilanstalt als scheinbar einzige Überlebende der Apokalypse laut Gutzeit fugenlos ein. Die Form des Berichts des schizophrenen Künstlers Franz Lindner, den Gutzeit aus früheren Texten Roths zu kennen meint, erlaubt es Roth, ohne nachvollziehbaren Plot zu erzählen, erklärt die Rezensentin. In dem "zersplitterten Text" erkennt sie die Zustandsbeschreibung des Protagonisten selbst. Auch wenn ihr die Orientierung im Roman nicht immer leicht fällt, beschäftigt sie das Buch mit seinen surrealen, bizarren Szenarien augenscheinlich doch sehr.
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