Die deutsche Gerichtsbarkeit erfreute sich bislang höchsten Ansehens. Mit dem Fall des Gustl Mollath hat sich dies geändert. Für viele hat seine Geschichte das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit deutscher Strafprozesse ernsthaft beschädigt. Der Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate war im Wiederaufnahmeverfahren Verteidiger Gustl Mollaths. Sein Buch ist nicht nur die kritische Zusammenfassung eines unglaublichen Rechtsfalles, sondern vor allem die scharfe Abrechnung mit übermächtigen Gutachtern, selbstgerechten Richtern und einer nachlässigen Rechtsfindung − die jeden von uns genauso treffen könnte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2015
Hans Holzhaider empfiehlt allen, ob sie bisher nun Zweifel an den Regelungen zwischen Justiz und Psychiatrie hatten oder nicht, Gerhard Strates "Der Fall Mollath" zu lesen, die Zweifel kämen dann schon früh genug. Denn Strate wirft dem bürokratischen Apparat "Inkompetenz, Zynismus, Willkür" und Willfährigkeit vor, was er eben am Fall Mollaths vorführt, der trotz erwiesener Schuld am Ende weder in Haft noch in Behandlung landete, weil der Psychiater eine Krankheit weder ausschließen noch nachweisen konnte, und die Schuldfähigkeit des Angeklagten in der Luft hing, erklärt der Rezensent. Dass Strate dabei an einem harten Vokabular nicht spart, nimmt der Rezensent hin, das Fehlen von Lösungsvorschlägen nicht.
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